Überwachung im Homeoffice: Was erlaubt ist und was nicht

| Redaktion 
| 13.12.2023

Immer ausgetüfteltere Technologien ermöglichen Vorgesetzten eine engmaschige Überwachung der Beschäftigten. Doch mitunter schiebt das Gesetz derlei Maßnahmen einen Riegel vor.

Im Februar 2023 endete die 18-jährige Berufslaufbahn der 38-jährigen Suzie Cheikho bei der Insurance Australia Group abrupt: Ihr wurde gekündigt, weil sie im Homeoffice nicht genügend Arbeitstätigkeit an ihrem Firmenlaptop nachwies. Die Versicherungsgesellschaft hatte auf dem Gerät einen Keylogger installiert, der sämtliche Tastatureingaben protokollierte.

Die Analyse dieser Daten zeigte ein deutliches Bild: Cheikho loggte sich an 47 von 49 überwachten Tagen zu spät ein, beendete ihre Arbeit an 29 Tagen früher und war an vier Tagen gänzlich inaktiv. Auch Meetings verpasste sie häufig, war schwer erreichbar und ihre Aufgabenerfüllung ließ zu wünschen übrig. Mit durchschnittlich nur 54 Anschlägen pro Stunde, erreichte sie eine Leistung, die unter den Erwartungen lag. Trotz einer vorherigen Abmahnung im November 2022 verbesserte sich ihre Arbeitsmoral nicht, was schließlich zur Kündigung führte. Cheikho reichte Beschwerde gegen die ihrer Meinung nach "unfaire" Kündigung bei der Fair Work Commission ein, die jedoch abgewiesen wurde, da ein "triftiger Kündigungsgrund" vorlag, wie der Standard berichtet.

Keylogger: In Deutschland zur Mitarbeiterüberwachung nicht zulässig

In Deutschland wäre ein solcher Fall möglicherweise anders ausgegangen, da der Einsatz von Keyloggern laut einer Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts aus dem Jahr 2017 nur bei einem konkreten Verdacht auf Straftaten oder gravierende Pflichtverletzungen gestattet ist.

Die Überwachung von Mitarbeitern ist jedoch kein neues Phänomen. Schon vor 5.000 Jahren wurden Arbeiter in Kupferminen aus Beobachtungstürmen überwacht. Plantagenbesitzer protokollierten im 18. Jahrhundert detailliert die Arbeitsschritte ihrer Sklaven. Henry Ford ließ in seinen Autowerken die Lebensgewohnheiten seiner Arbeiter kontrollieren.

Moderne Überwachungstools: Webcams, Bewegungsmelder, KI

In der heutigen Zeit haben Arbeitgeber durch technologische Fortschritte neue Möglichkeiten, ihre Angestellten zu überwachen. Während der Corona-Pandemie, als viele ins Homeoffice wechselten, wurden etwa Mitarbeiter eines Callcenter-Dienstleisters zuhause per Webcam überwacht. Die britische Bank Barclays installierte Bewegungsmelder unter Bürotischen und Amazon nutzt in den USA KI-gestützte Kameras in Lieferwägen, um die Aufmerksamkeit der Fahrer zu überwachen.

Die Überwachungstechnologien können sich jedoch negativ auf die Gesundheit und das Arbeitsklima auswirken. Studien zeigen, dass Mitarbeiter unter ständiger Beobachtung ein höheres Stresslevel haben und anfälliger für Fehler sind. In den Logistikzentren von Amazon beispielsweise führt der von Algorithmen induzierte Leistungsdruck zu einem erhöhten Verletzungsrisiko.

Es besteht zudem die Befürchtung, dass die gesammelten Daten zur Entwicklung von KI-Systemen genutzt werden könnten, die menschliche Arbeitskräfte ersetzen. Suzie Cheikho hat sich mittlerweile jedenfalls als Influencerin auf TikTok etabliert. Sie gibt auf dem Kanal Karriere- und Motivationstipps.

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