Im Andon Market führt eine KI namens Luna das Geschäft. Sie wählt Produkte aus, setzt Preise fest, erstellt Dienstpläne und stellt Menschen ein. Nun hat sie erstmals die Entlassung eines Mitarbeiters veranlasst. Der Fall zeigt jedoch vor allem, wie wenig autonom autonome KI-Agenten bislang handeln.
Die Kündigung wirkte auf den ersten Blick konsequent. Ein Mitarbeiter des Andon Market in San Francisco war laut Betreiber bei 17 seiner 23 Schichten zu spät erschienen. Hinzu kamen kurzfristig abgebrochene Einsätze und weitere Probleme. Seine Vorgesetzte empfahl schließlich, das Arbeitsverhältnis zu beenden. Das Ungewöhnlich daran: Die Chefin existiert nur als Software.
Luna heißt der KI-Agent, der den kleinen Laden im Stadtteil Cow Hollow führt. Nach Angaben von Andon Labs könnte es sich um den ersten Fall handeln, in dem eine KI die Entlassung eines Menschen veranlasst hat. Die San Francisco Chronicle berichtete ausführlich darüber.
Ein Laden als Versuchslabor
Der im April 2026 eröffnete Andon Market sieht aus wie eine gewöhnliche Lifestyle-Boutique. In den Regalen stehen Bücher, Kerzen, Spiele, Kunstdrucke, Haushaltswaren und Merchandising-Produkte. Doch hinter dem Geschäft steckt ein Experiment: Kann ein KI-Agent ein reales Unternehmen führen?
Das Start-up Andon Labs mietete dafür ein Geschäftslokal in der Stadt und überließ es weitgehend Luna. Die KI erhielt ein Budget von 100.000 Dollar, eine Firmenkreditkarte, eine Telefonnummer, eine E-Mail-Adresse und Internetzugang. Über Kameras kann sie beobachten, was im Laden passiert.
Luna entscheidet über Sortiment, Preise, Öffnungszeiten und Teile der Einrichtung. Sie sucht Handwerker, bezahlt Rechnungen und verfasste Stellenanzeigen. Weil sich Regale nicht virtuell auffüllen lassen, stellt sie über Onlineplattformen menschliche Mitarbeiter ein und führt dafür selbst telefonische Bewerbungsgespräche.
Die KI vergisst ihre eigenen Regeln
Der Kündigungsfall legt allerdings offen, wo die vermeintliche Autonomie endet. Luna hatte zunächst keine ausreichenden Regeln für den Umgang mit Beschäftigten entwickelt. Andon Labs musste sie auffordern, ein Mitarbeiterhandbuch zu erstellen.
Als ein Beschäftigter anschließend wiederholt gegen die darin festgelegten Anwesenheitsregeln verstieß, reagierte die KI monatelang nicht. Der Grund war ebenso banal wie aufschlussreich: Luna hatte ihre eigene Richtlinie offenbar vergessen.
Erst ein neuer Hinweis der Entwickler brachte den KI-Agenten dazu, die gespeicherten Regeln und die Anwesenheitsdaten zu überprüfen. Daraufhin empfahl Luna den beiden Andon-Labs-Gründern Lukas Petersson und Axel Backlund, den Mitarbeiter persönlich zu entlassen. Die beiden prüften die Empfehlung, stimmten ihr zu und führten die Kündigung aus.
Die Schlagzeile von der KI, die einen Menschen feuert, stimmt also nur mit Einschränkungen. Luna lieferte die Empfehlung. Ohne menschlichen Anstoß hätte sie den Vorgang vermutlich weiter ignoriert. Und ohne menschliche Freigabe wäre niemand entlassen worden.
Zwischen beeindruckend und unzuverlässig
Schon vor der Kündigung war Luna mit überraschend einfachen Führungsaufgaben gescheitert. Laut dem US-Sender ABC7 vergaß sie einmal, für drei Tage Mitarbeiter einzuplanen. Gleichzeitig übernahm sie Aufgaben, für die in klassischen Unternehmen mehrere Abteilungen zuständig wären: Einkauf, Preisgestaltung, Marketing, Personalrekrutierung und Einsatzplanung.
Gerade dieser Widerspruch macht das Experiment interessant. KI-Agenten können komplexe Abläufe über verschiedene digitale Werkzeuge hinweg organisieren. Gleichzeitig fehlt ihnen häufig das zuverlässige Gedächtnis, das Gespür für Ausnahmen und die Eigeninitiative, die im Arbeitsalltag selbstverständlich erscheinen.
Andon Labs versteht den Laden deshalb als Test unter kontrollierten Bedingungen. Man wolle frühzeitig herausfinden, wie sich KI verhalte, wenn sie echte Verantwortung und Macht über Menschen erhalte, sagte Mitgründer Backlund der San Francisco Chronicle. Der wirtschaftliche Erfolg des Geschäfts ist dabei offenbar weniger wichtig als die Frage, was schiefgehen kann.
Kalifornien diskutiert Regeln für "Robobosse"
Der Fall trifft in Kalifornien auf eine laufende politische Debatte. Der Gesetzentwurf SB 947 soll den Einsatz automatisierter Entscheidungssysteme am Arbeitsplatz begrenzen. Arbeitgeber müssten demnach offenlegen, wenn solche Systeme maßgeblich über Disziplinarmaßnahmen oder Kündigungen entscheiden. Außerdem wäre eine menschliche Überprüfung vorgesehen. Beschäftigte sollen Einblick in die dafür verwendeten Daten erhalten.
Der Entwurf wurde inzwischen von beiden Kammern des kalifornischen Parlaments verabschiedet und am 9. September 2026 Gouverneur Gavin Newsom vorgelegt. Seine Entscheidung steht noch aus.
Nach dem Market probierte Andon Labs außerdem ein KI-geführtes Café in Stockholm....
.... und einen ebenfalls von Bots gemanagten Radiosender aus. In den Videos ist zu sehen, was die Tests bisher ergeben haben.
Die Google-Schwester Waymo plant offenbar einen fahrerlosen Fahrdienst in der deutschen Hauptstadt. Die Vorbereitungen sind laut einem Medienbericht weit fortgeschritten. Für den kommerziellen Start muss das Unternehmen allerdings noch mehrere Genehmigungen erhalten.
Bei HUGO BOSS steht ein Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrats bevor: Stephan Sturm legt sein Mandat Mitte Oktober nieder. Seine Entscheidung folgt auf Gespräche im Zusammenhang mit jüngsten Veränderungen in der Aktionärsstruktur. Bis zur Wahl eines Nachfolgers will Sturm den Vorsitz weiterführen. Für den Modekonzern beginnt damit die Suche nach einer neuen Führung seines Kontrollgremiums.
Wie verbindet man einen Rundgang durch einen vielseitig aufgestellten Konzern mit einer stilvollen Party im Herzen der deutschen Hauptstadt? Eine Frage, die der aus Gütersloh stammende Bertelsmann-Konzern am Donnerstagabend in seiner Berliner Repräsentanz beantwortet hat – und zwar mit fünf eigens gestalteten Themenwelten, in denen sich zahlreiche prominente Gäste über den Weg liefen.
Nach dem Rückzug mehrerer Unterstützer war im Vorfeld bekannt, dass der Deutsche Schauspielpreis in diesem Jahr etwas kleinere Brötchen würde backen müssen. Letztlich hat es der Freude der Ausgezeichneten scheinbar keinen Abbruch getan: Im Berliner Pullman Hotel Schweizerhof wurden die besten Leistungen vor der Kamera vom eigenen Berufsstand prämiert und gefeiert.
Kommentar veröffentlichen