Erlebniswelt für Naschkatzen
Nestlé plant einen Mega-Schokoladenpark in der Schweiz – Kostenpunkt: 416 Millionen Euro

| Natalie Oberhollenzer 
| 23.03.2026

Im beschaulichen Broc im Kanton Freiburg brodelt es – und zwar nicht nur in den Kakaokesseln. Wo seit über einem Jahrhundert die Marke Cailler ihre Schokolade produziert, soll ein gigantischer Erlebnispark entstehen. Die Vision: ein Ort, der weit mehr ist als ein Museum. Die Dimensionen? Gewaltig. Die Diskussionen? Laufen bereits.

Die Investoren des Lebensmittelmultis greifen dafür tief in die Tasche: Insgesamt sind umgerechnet rund 416 Millionen Euro eingeplant. Etwa 208 Millionen Euro sollen direkt in den Schokoladenpark fließen. Weitere 208 Millionen Euro sind für die Infrastruktur vorgesehen – darunter Hotels, eine Seilbahn, die Besucher:innen vom größeren Nachbarort in den Park bringen soll und eine gigantische Tiefgarage. Ein Prestigeprojekt, das die Region deutlich verändern dürfte.

Geplant ist eine weitläufige Anlage mit neuen Gebäuden, restaurierten Fabrikhallen und auffälligen Gewächshäusern für Kakaobäume. Auch ein modernes "Emporium" auf dem Dach ist vorgesehen. Die Botschaft der Planer: kein schriller Freizeitpark, sondern ein sinnliches Erlebnis. Besucher sollen eintauchen – in Düfte, Geschmäcker und Geschichte. "Wir planen kein Disneyland", sagt Xavier Jeanneret, der den Park mitgestaltet hat, dem Schweizer Rundfunk. "Vielmehr sollen Besucherinnen und Besucher in die Geschmacks- und Geruchswelt der Schokolade eintauchen."

Wer alles sehen will, braucht Zeit: Ein Rundgang könne den Verantwortlichen zufolge bis zu fünf Stunden dauern.

Tradition trifft Zukunft – aber nicht ohne Widerstand

Die historische Fabrik aus dem Jahr 1898 steht unter besonderem Schutz. Frühere Projektvarianten stießen bei Denkmal- und Naturschutzgremien auf Kritik. Zu groß, zu dominant – so lautete der Einwand. Inzwischen wurde nachgebessert.

So soll der schmucke Eingang den Planern zufolge künftig in Szene gesetzt werden:

© Urban Project/Verein Gruyère-Chocolat

Den Verantwortlichen ist klar: Ohne Rücksicht auf das Ortsbild wird es schwierig. Daher wird gleich groß und zukunftsträchtig gedacht.

Autos sollen künftig aus dem Zentrum ferngehalten werden. Stattdessen ist am Dorfrand eine Tiefgarage mit 700 kostenpflichtigen Stellplätzen geplant. Von dort aus soll es weitergehen. Die Hoffnung der Gemeinde: weniger Verkehr auf lokalen Straßen und eine bessere Lenkung der Besucherströme. Dabei helfen soll auch eine Seilbahn, die Besucher:innen vom Ort Liaubon in den Park bringen soll:

© Urban Project/Verein Gruyère-Chocolat

Planer rechnen mit bis zu 1 Million Besucher im Jahr

Schon heute zieht das bestehende Schokoladenmuseum Hunderttausende Menschen an. Langfristig könnte der neue Park sogar die Marke von 1 Million Gästen pro Jahr erreichen. Für die Region wäre das ein enormer Schub im Tourismus – und ein Härtetest für Infrastruktur und Verkehr gleich mit.

Noch ist nichts gebaut. Wenn Bewilligungen und Verfahren mitspielen, könnte die erste Etappe im Laufe des Jahres 2030 eröffnet werden. 

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