Nach Böhmermann-Enthüllung: Fynn Kliemann reagiert, doch viele Fragen bleiben offen

Der Satiriker wirft dem Influencer vor, bei Geschäften mit Schutzmasken die Konsumenten bewusst getäuscht zu haben. 

Der Influencer Fynn Kliemann steht gewaltig unter Druck. Jan Böhmermann hatte am Freitag in seiner Show "ZDF Magazine Royale" einen Beitrag gezeigt, in dem der Verdacht geäußert wird, dass Kliemann in Geschäfte mit Schutzmasken verwickelt sein könnte, die alles andere als sauber abgelaufen sind.

Falsche Angaben

Konkret sollen Fynn Kliemann und sein Geschäftspartner Tom Illbruck Schutzmasken aus Bangladesch und Vietnam als "fair" und "in Europa produziert" vermarktet und verkauft haben. Auch die Behauptung, die Masken würden zum Selbstkostenpreis verkauft, sind laut Böhmermann und seinem Team falsch. 

Für den Beitrag wurden unter anderem Lieferscheine, Auftragsbestätigungen, Fotos, Videoaufnahmen und Anruflisten ausgewertet, die zeigen sollen, dass "Fynn Kliemann gemeinsam mit dem Textilproduzenten Global Tactics millionenfach Masken in Bangladesch und Vietnam produzieren ließ, um sie in Deutschland als 'faire Masken aus Europa' zu verkaufen", heißt es auf der eigens eingerichteten Website lmaafk.de. Darüber hinaus hätten Kliemann und Tom Illbruck 100.000 unbrauchbare Masken aus Bangladesch, die ihnen der Hersteller umsonst überlassen hatte, an Geflüchtetenunterkünfte in Griechenland und Bosnien geschickt. Laut Unterlagen sei Kliemann "in wichtige Entscheidungen und Details zu Produktion, Lieferung und Verkauf der Betrugsware persönlich eingebunden" gewesen.

"Das fühlt sich schon megageil an"

Die Vorwürfe haben für harsche Kritik an dem Influencer und seinem Geschäftspartner gesorgt, die sich laut Business Insider als "Unternehmer, die sich gesellschaftlich verantwortlich fühlen" geriert hatten. So hatte Tom Illbruck gegenüber dem Onlinemagazin gesagt: "Das fühlt sich schon megageil an … die Menschen sind uns so dankbar. Ich meine – wir haben zur richtigen Zeit die richtigen Entscheidungen getroffen und waren Vorreiter. Das war irgendwie auch unsere Pflicht."

Kliemann versucht jetzt mit einem Statement auf seinem Instagram-Profil die Wogen etwas zu glätten: "Ich muss mir klar eingestehen, dass ich den Prozess nicht mehr überblicken konnte." Weiters sagt er: "Das darf niemals passieren und somit übernehme ich, auch wenn ich weder Produzent noch Verkäufer war, eine Verantwortung." Ihm sei bewusst, dass er durch diese Versäumnisse viele enttäuscht habe.

 
 
 
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Zuvor hatte er bereits in einem Spiegel-Interview von einem "Riesenfehler" gesprochen. Dabei habe er aber niemanden betrügen wollen. Im gleichen Interview gibt er aber auch zu, bei der Aussage, dass er mit den Masken nichts verdient habe, gelogen zu haben. Insgesamt soll sich der Gewinn seines Geschäfts mit den Schutzmasken auf rund eine halbe Million Euro belaufen.

Die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis hat infolge der Böhmermann-Enthüllungen mitgeteilt, dass sie eine Auszeichnung aberkenne, die Kliemann 2020 erhalten habe. Darüber hinaus wirft der Onlinehändler About You Kliemann vor, von ihm hinters Licht geführt worden zu sein. "Dass die Masken teilweise nicht in Europa produziert wurden, war uns bis heute nicht bekannt und wir haben den Fall unverzüglich intern geprüft, um uns ein genaues Bild zu machen", so About-You-Co-Chef Tarek Müller. Der Textilhersteller Global Tactics, gegründet von Kliemanns Geschäftspartner Tom Illbruck, habe angegeben, dass die Masken aus Europa stammen. Müller: "Nach den uns vorliegenden Informationen hat uns Global Tactics weder im Jahr 2020, noch danach, darüber informiert, oder uns darauf hingewiesen, dass die Masken außerhalb Europas hergestellt werden." Illbruck bestreitet dies jedoch. (as)

www.zdf.de

www.global-tactics.de

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