Es ist entschieden: Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) schickt München in die internationale Bewerbung um die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044.
Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung in Baden-Baden am Samstagmittag setzte sich die bayerische Landeshauptstadt mit 64,91 Prozent der Delegiertenstimmen gegen die Region KölnRheinRuhr durch. Berlin, ursprünglich dritter Kandidat, zog seine Bewerbung nur wenige Tage vorher zurück. Hamburg schied bereits vor mehreren Monaten aus der Vorauswahl aus.
Übertragen wurde die Enthüllung live im Ersten, wodurch DOSB-Präsident Thomas Weikert im Nachgang mehr Aufmerksamkeit zuteilwurde, als er sich gewünscht haben dürfte: Beim Öffnen des Briefes mit der Gewinnerstadt hielt er die entsprechende Karte so in die Fernsehkameras, dass München klar zu lesen war – noch bevor Bundespräsident und DOSB-Schirmherr Frank-Walter Steinmeier die feierliche Verkündung folgen lassen konnte.
Krause beschwört Zusammenarbeit von Stadt und Freistaat
Die Freude im Münchner Lager hat der kleine Fauxpas freilich nicht getrübt: "München geht ins Rennen! Das ist ein toller Tag für unsere Stadt und ein großer Schritt auf dem Weg zu Olympischen und Paralympischen Sommerspielen in München und Bayern", freut sich Dominik Krause.
Der Münchner Oberbürgermeister weiter: "Im Schulterschluss mit Stadtgesellschaft, Sportverbänden, Wirtschaft und Politik werden wir unsere Vorbereitungen mit voller Kraft vorantreiben. Ich bin überzeugt: Wenn Freistaat und Stadt weiter so eng und gut zusammenarbeiten, ist auch im internationalen Rennen alles möglich."
Auch DOSB-Präsident Thomas Weikert befindet: "Heute ist ein guter Tag für den deutschen Sport. Am Ende des nationalen Prozesses steht mit München ein sehr guter Bewerber, der mit seinem Konzept Sportdeutschland am meisten überzeugt hat. Jetzt beginnt ein neuer Abschnitt: Wir werden mit München gemeinsam den nächsten Schritt gehen und Deutschland im internationalen Wettbewerb um die Olympischen und Paralympischen Spiele vertreten."
Olympia soll München mitentwickeln
Mit dem Olympiapark setzt München bei seiner Bewerbung stark auf das, was die Stadt bereits besitzt. Rund die Hälfte aller Sportarten soll dort stattfinden, bei 90 Prozent der Sportstätten soll die Anreise vom Olympischen Dorf weniger als 30 Minuten dauern. Sogar mehr als 90 Prozent der Sportler sollen dort untergebracht werden, womit das Konzept sogar über die ohnehin vom DOSB geforderte One-Village-Logik (maximal eine Stunde Reisezeit) hinausgeht.
Vorgesehen ist dafür derzeit der Münchner Nordosten, der rund 16.000 Athletinnen, Athleten und Offizielle beherbergen könnte. Gleichzeitig soll das Dorf nicht als Olympia-Geisterstadt enden, weshalb angedacht ist, dass die Wohnungen nach den Spielen in ein dauerhaftes, barrierefreies und gemischt genutztes Stadtquartier übergehen. Die Entwicklung dieses Gebiets soll unabhängig von einer tatsächlichen Olympia-Ausrichtung vorangetrieben werden.
Auch bei den Sportarten hat München sein Konzept erweitert: Baseball der Männer, Softball der Frauen sowie Cricket, Flag Football, Lacrosse und Squash könnten die sonstigen Disziplinen ergänzen.
"Uns alle eint ein Ziel: Wir wollen Olympia unbedingt", kommentiert Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.
"München will es und München kann es. Unsere Olympiabewerbung hat eine große internationale Strahlkraft, setzt auf ein nachhaltiges One-Village-Konzept und ist getragen vom Rückhalt in der Bevölkerung", sagt er mit Bezug auf einen Bürgerentscheid im Oktober letzten Jahres, bei dem über 66 Prozent für eine Münchner Bewerbung votierten.
Zum Münchner Olympia-Versprechen gehört zudem die Besinnung auf die Vergangenheit, indem die Bewerbung an die Spiele von 1972 anknüpfen will. Die Segelwettbewerbe sollen deshalb in Kiel stattfinden – als Teil eines neuen Olympia-Doppels aus München und dem Austragungsort der Segelwettbewerbe von damals.
Damit "startet das Olympia-Doppel von 1972 neu durch", betont auch Söder. "Wir wollen den einzigartigen Spirit von Olympia neu erleben und der Welt ein hervorragender Gastgeber sein. Das ist auch ein Motivationsbooster für die junge Generation. Deutschland und Olympia – das wäre was. Mögen die Spiele beginnen!"
Was vom Bewerbungsrennen bleibt
Beim DOSB richtet man die Aufmerksamkeit zudem darauf, dass das nationale Bewerbungsverfahren unabhängig von seinem Ausgang "wichtige Impulse für den Sport in Deutschland gesetzt und konkrete Investitionen angestoßen" hat.
So fließen in Hamburg bis 2030 rund 900 Millionen Euro in die Sportinfrastruktur, während Nordrhein-Westfalen unter anderem eine Sportmilliarde aufgelegt hat und höhere Olympiaprämien nachlegen will. Auch Maßnahmen für Ehrenamt, Trainerinnen und Trainer und Inklusion stehen auf dem Plan.
Bayern setzt auf ein neues Sportgesetz, eine dauerhafte jährliche Sportförderung von 100 Millionen Euro und ein umfangreiches Sportbauprogramm in München. Für Berlin wiederum ist ein Fonds vorgesehen, der direkt in den Breitensport fließen soll. Zudem habe "der Senat einen Beschluss zur Stärkung des Schulsports gefasst".
Die nationale Olympia-Etappe ist jetzt jedoch beendet. Nun muss sich München noch auf der globalen Bühne behaupten; im März 2027 soll dazu der sogenannte Strategic Dialogue mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) beginnen. Ende 2028 folgt der Targeted Dialogue mit einem oder mehreren Bewerbern, ehe die Vergabe der Spiele 2036 Mitte 2029 verkündet wird.
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