Bertelsmann Studie
Homeoffice trotzt Krise – 20 Prozent der Jobs bleiben remotefähig

| Redaktion 
| 29.04.2026

Homeoffice bleibt trotz wirtschaftlicher Unsicherheit ein stabiler Bestandteil des Arbeitsmarktes. Laut Bertelsmann Studie liegt der Anteil an Stellenanzeigen mit Remote-Option weiterhin bei 20 Prozent. Besonders IT-Berufe profitieren von der Entwicklung, während strukturelle Unterschiede zwischen Branchen und Geschlechtern bestehen bleiben und das Gleichstellungspotenzial nur teilweise genutzt wird.

Die Analyse basiert auf rund 79 Millionen Online-Stellenanzeigen und zeigt: Die konjunkturelle Schwäche hat die Verbreitung von Homeoffice nicht gebremst. Flexible Arbeitsmodelle sind längst fester Bestandteil moderner Arbeitsorganisation.

Homeoffice etabliert sich nachhaltig

Vor der Corona-Pandemie lag der Anteil an Homeoffice-Angeboten bei lediglich 3,7 Prozent. Bis 2022 stieg dieser Wert deutlich auf 16,8 Prozent und erreicht seit 2024 konstant rund 20 Prozent. Damit bietet inzwischen jede fünfte Stellenausschreibung die Möglichkeit, remote zu arbeiten.

"Wer geglaubt hat, dass in wirtschaftlich schwierigen Zeiten alle wieder ins Büro zurückkehren müssen, hat sich getäuscht. Das Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben“, sagt Gunvald Herdin, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung.

Die Zahlen belegen, dass Unternehmen Homeoffice nicht mehr als temporäre Lösung betrachten, sondern als festen Bestandteil ihrer Arbeitsmodelle.

IT-Berufe treiben den Homeoffice-Anteil

Besonders stark verbreitet ist Homeoffice in männerdominierten Branchen, allen voran im IT-Sektor. Unter den zehn Berufen mit der höchsten Homeoffice-Quote finden sich sieben IT-Tätigkeiten.

Im Jahr 2025 lag der Anteil an Remote-Optionen bei IT-Anwendungsberater:innen bei 69 Prozent, bei Netzwerkspezialist:innen bei 64 Prozent. Auch Steuerberater:innen verzeichnen einen deutlichen Anstieg: In 67 Prozent der Stellenanzeigen wird Homeoffice angeboten – ein Plus von 61 Prozentpunkten seit 2019.

Insgesamt bleibt Homeoffice vor allem höher qualifizierten Beschäftigten vorbehalten. Rund 35 Prozent der Akademiker:innen arbeiten remote, bei Beschäftigten mit Meister- oder Bachelorabschluss sind es 30 Prozent. Auf Helfer:innen-Niveau liegt der Anteil hingegen bei lediglich vier Prozent.

Warum bleibt das Gleichstellungspotenzial ungenutzt?

Trotz der zunehmenden Verbreitung von Homeoffice bleibt das Potenzial für mehr Gleichstellung am Arbeitsmarkt begrenzt. In frauendominierten Berufen liegt der Anteil an Homeoffice-Angeboten bei nur 13 Prozent, während er in männerdominierten Berufen 22 Prozent erreicht.

Besonders groß ist die Differenz bei hochqualifizierten Tätigkeiten: Hier stehen 22 Prozent bei frauendominierten Berufen rund 46 Prozent bei männerdominierten gegenüber.

"Homeoffice ist ein wichtiges Vereinbarkeitsinstrument. Gerade für Eltern und Pflegende ist ortsflexibles Arbeiten oft entscheidend“, sagt Michaela Hermann, Arbeitsmarktexpertin der Bertelsmann Stiftung. "Aber weder der Gender Care Gap noch der Gender Pay Gap verschwinden deshalb automatisch.“

Zudem brauche es gezielte Maßnahmen in Berufen mit hohem Anteil an direktem Personenkontakt – etwa in Pflege, Erziehung und Gesundheit –, um auch dort mehr Flexibilität zu ermöglichen.

Regionale Unterschiede prägen den Markt

Auch regional zeigen sich deutliche Unterschiede. In Großstädten liegt der Anteil an Homeoffice-Angeboten bei rund 28 Prozent. Stuttgart führt das Ranking mit 38 Prozent an, gefolgt von Düsseldorf (37 Prozent) und Frankfurt am Main (36 Prozent).

In ländlichen Regionen ist Homeoffice deutlich seltener verbreitet. Der Grund liegt vor allem in der Branchenstruktur: Ballungsräume verfügen über mehr digitalisierte und wissensbasierte Tätigkeiten, die mobiles Arbeiten ermöglichen.

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