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DLD Nature Salon bespricht Biodiversität als Wirtschaftsfaktor

| Redaktion 
| 08.10.2026

Berlin statt München und Jerewan statt Davos: Zum zweiten Mal hat der DLD Nature Salon die bekannte Konferenz ergänzt, die traditionell zum Jahresauftakt auf das Weltwirtschaftsforum in Davos einstimmt. Mittwoch dagegen ging es im Vorfeld des CBD COP17 in Armenien darum, wie sich der Schutz von Biodiversität schneller in politische und unternehmerische Entscheidungen übersetzen lässt.

Als Plattform für internationale Entscheider aus Wirtschaft, Technologie, Wissenschaft und Gesellschaft ist DLD (Digital, Life, Design) vor allem für seine jährliche Konferenz rund um den Jahresauftakt in München bekannt – traditionell das deutsche Vorspiel zum Weltwirtschaftsforum in Davos, das auf Initiatorin Steffi Czerny (hier im Leadersnet-Interview) zurückgeht.

Daneben hat das Netzwerk dem eigenen Themenprofil durch die erste Ausgabe des DLD Nature Salon im vorletzten Jahr zusätzliche Tiefe verliehen: Namensgemäß geht es hier vor allem um die ökologischen Grundlagen von Wirtschaft und Gesellschaft.

"Natur darf nicht länger als nachgelagertes Umwelt- oder Nischenthema behandelt werden", betont Steffi Czerny. "Sie ist kritische Infrastruktur, ein systemisches Risiko und ein globales Vermögensgut. Wir müssen Natur als Asset Class begreifen und ihren Schutz in wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen verankern."

Natur als "kritische Infrastruktur"

So stand im Mittelpunkt der zweiten Ausgabe des DLD Nature Salon – abgehalten am Mittwochabend im Naturkunde Museum Berlin – vor allem der Wunsch, "konkrete Wege aus der globalen Biodiversitätskrise zu diskutieren".

Auch das naturverbundene Spinoff der prominenten Hauptkonferenz wurde dabei im Vorfeld eines anderen, relevanten Events abgehalten: Ab Montag, 19. Oktober findet im armenischen Jerewan die 17. Vertragsstaatenkonferenz der UN-Konvention über die biologische Vielfalt (kurz CBD COP17) statt.

Als Gastgeberin fungierten neben Steffi Czerny und Alessia Sinzger für die DLD auch Jan Peter Schemmel (Campaign for Nature), Klement Tockner (Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung) und Schauspielerin Maria Furtwängler, die den DLD Nature Salon über ihre MaLisa-Stiftung bereits zum Debüt unterstützt hat.

Maria Furtwängler (Bild:  Brauer Photos / J. Harrell)
Maria Furtwängler (Bild:  Brauer Photos / J. Harrell)

"Wir müssen anfangen, anders über Natur zu reden: Nämlich als kritische Infrastruktur. Unsere Nahrung, unsere Gesundheit, unsere Sicherheit – und mehr als die Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung hängen von funktionierenden Ökosystemen ab. Trotzdem investieren wir nicht in den Erhalt von Ökosystemen, wie wir das ganz selbstverständlich für Autobahnbrücken oder Stromtrassen tun", gibt Maria Furtwängler zu bedenken.

Die 60-jährige weiter: "Was passiert, wenn Ökosysteme kippen und damit Kaffee, Kakao oder Orangen knapper werden, merken wir erst mal nur im Geldbeutel, für die Produzenten vor Ort geht es längst ums nackte Überleben. Biodiversität zu schützen heißt, unsere Lebensgrundlagen schützen."

"Wir sind noch nicht auf dem Zielerreichungspfad"

Am Mittwoch haben Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Finanzwesen, Gesellschaft oder Medien insbesondere die Forderung behandelt, die Umsetzung des Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework zu beschleunigen – genau dessen Fortschritte sollen Mitte des Monats beim CBD COP17in Armenien überprüft werden.

Vor diesem Hintergrund wurde in Berlin am Mittwoch unter anderem verbindliche politische Führung, ein klarer Beitrag der Wirtschaft und nicht zuletzt eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung gefordert.

Hannes Jaenicke, Aline von Drateln und, Eckart von Hirschhausen (Bild:  Brauer Photos / J. Harrell)
Hannes Jaenicke, Aline von Drateln und, Eckart von Hirschhausen (Bild:  Brauer Photos / J. Harrell)

"Die Zwischenbilanz der Umsetzung des Weltnaturabkommens von Kunming und Montreal zeigt: Wir sind noch nicht auf dem Zielerreichungspfad", mahnt Jan Peter Schemmel, Director Europe bei Campaign for Nature. "Gleichzeitig machen Fortschritte in einzelnen Ländern bei der Umsetzung des wichtigen Ziels, bis 2030 30 Prozent der Landes- und Meeresflächen zu schützen, Mut. Sie zeigen, was möglich ist, wenn man nur will!"

Klement Tockner, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, ergänzt: "Beim 30-Prozent-Ziel zählt nicht nur, wie viel Fläche unter Schutz steht, sondern ob Schutzgebiete tatsächlich wirken. Entscheidend ist, ob Arten und Ökosysteme nachweisbar erhalten oder wiederhergestellt werden. Dafür brauchen wir klare wissenschaftliche Standards, transparentes Monitoring und eine konsequente Bewertung der ökologischen Wirkung."

Als Speaker waren beispielsweise Johan Rockström (Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung), Lieutenant General Richard Nugee (ehemaliger britischer Regierungsberater für Klima und Nachhaltigkeit), der TV-bekannte Eckart von Hirschhausen als Gründer der Stiftung Gesunde Erde – Gesunde Menschen, Ma Jun (Umweltschützer und Leiter des Institute of Public & Environmental Affairs in Peking), Transformationsforscherin Maja Göpel oder Bettina Hagedorn, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, zu Gast - einige weitere Namen und Eindrücke teilt der Bildslider am Artikelbeginn.

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