Luftfahrt unter Druck
Ticketpreise verdoppelt, Flugverbindungen gehen zurück

Die Ticketpreise im deutschen Luftverkehr haben sich seit 2010 nahezu verdoppelt. Gleichzeitig verlieren viele Flughäfen Direktverbindungen und wichtige Passagierströme verlagern sich zunehmend auf Drehkreuze außerhalb der EU. Das zeigt ein neuer Wirtschaftsreport von DLR und BDL. Für den Wirtschaftsstandort Deutschland geht es dabei um internationale Erreichbarkeit, Wettbewerbsfähigkeit und die Kosten der Transformation.

Fliegen von und nach Deutschland ist deutlich teurer geworden. Nach Angaben des neuen Wirtschaftsreports von Deutschem Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) stiegen die durchschnittlichen Ticketpreise zwischen 2010 und 2024 von knapp 150 auf rund 300 Euro. Bereits frühere Auswertungen zeigten, dass Flugpreise in Deutschland deutlich gestiegen sind. Parallel dazu hat sich die internationale Anbindung an vielen deutschen Flughäfen verschlechtert.

Der erstmals gemeinsam von DLR und BDL veröffentlichte Report betrachtet zentrale Entwicklungen des Luftverkehrs über einen Zeitraum von bis zu 15 Jahren. Im Fokus stehen Konnektivität, Passagierströme, Kosten, Klimaschutz und die Wettbewerbsbedingungen des Luftverkehrsstandorts Deutschland.

Ticketpreise steigen auf rund 300 Euro

Für die höheren Flugpreise gibt es laut Report mehrere Ursachen. Die staatlich veranlassten Standortkosten – darunter Luftverkehrsteuer, Luftsicherheitsgebühren und Flugsicherungsgebühren – haben sich seit 2019 in der Spitze mehr als verdoppelt. Im Durchschnitt liegen diese Belastungen inzwischen bei rund 30 Euro je Passagier. Die Debatte über hohe Standortkosten und die Luftverkehrsteuer läuft bereits seit Längerem. Hinzu kommen gestiegene Personal- und Betriebskosten.

Gleichzeitig hat sich das Angebot an vielen deutschen Flughäfen noch nicht wieder auf das Niveau vor der Coronakrise erholt. Während Frankfurt 2024 bei den direkt erreichbaren Zielen nahezu wieder das Vorkrisenniveau erreichte, wurden an anderen großen Standorten bis zu 18 Prozent weniger Zielflughäfen angeboten als 2019. Auch die Zahl der Frequenzen sowie der für Geschäftsreisen wichtigen frühen und späten Verbindungen ging vielerorts zurück. Schon im Sommer 2026 zeigte sich, dass das Flugangebot in Deutschland hinter der europäischen Entwicklung zurückbleibt.

Für Unternehmen ist diese Entwicklung besonders relevant. Die Qualität der Flugverbindungen beeinflusst die internationale Erreichbarkeit eines Wirtschaftsstandorts. Dazu zählen neben der Zahl direkter Ziele auch die Häufigkeit der Verbindungen und geeignete Tagesrandzeiten.

Passagierströme verlagern sich aus der EU

Der Report zeigt zudem deutliche Verschiebungen bei internationalen Umsteigeverbindungen. Vor allem auf Langstrecken nutzen Passagiere zunehmend Drehkreuze außerhalb der Europäischen Union, insbesondere in der Türkei und in den Golfstaaten.

Bei Reisen zwischen Deutschland und Fernost beziehungsweise Südostasien stieg der Anteil der Passagiere, die über Nicht-EU-Drehkreuze fliegen, von 34 auf 54 Prozent. Gleichzeitig sank der Anteil der Umsteigeverbindungen über deutsche Drehkreuze von 56 auf 36 Prozent. Ähnliche Entwicklungen zeigt der Report bei Verbindungen nach Afrika.

BDL-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang spricht von einer "schleichenden Abkopplung Deutschlands vom internationalen Luftverkehr". Verbindungen fielen weg, während Passagiere und Fracht auf Drehkreuze außerhalb Europas auswichen. Für eine Exportnation sei das ein Standortproblem. Die Bundesregierung hatte bereits zuvor eine Stärkung des Luftfahrtstandorts Deutschland angekündigt.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Branche bleibt zugleich hoch. Luftverkehrswirtschaft und Luftfahrtindustrie erwirtschafteten 2024 gemeinsam eine Bruttowertschöpfung von 58,4 Milliarden Euro. Rund 536.900 Arbeitsplätze waren direkt oder indirekt mit der Luftfahrt verbunden. Das entspricht laut Report etwa 1,3 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts.

Wachstum trifft auf Klimaziele

Die weltweite Nachfrage nach Flugreisen dürfte weiter steigen. Das DLR erwartet, dass die globale Zahl der Flugreisenden bis 2034 auf 154 Prozent des Niveaus vor der Coronakrise wächst. Die Passagierzahlen sollen dabei stärker zunehmen als die Zahl der Flüge, unter anderem durch größere und effizientere Flugzeuge mit mehr Sitzplätzen.

Gleichzeitig bleibt die Reduktion der Klimawirkung eine zentrale Herausforderung. Der Luftverkehr verursacht derzeit rund drei Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen. Werden Nicht-CO₂-Effekte wie Kondensstreifen und Stickoxide berücksichtigt, liegt sein Anteil an den globalen Klimawirkungen laut Report bei etwa fünf Prozent.

Als wichtige Hebel nennt der Report effizientere Flugzeuge, Sustainable Aviation Fuels (SAF), optimierte Flugrouten und Maßnahmen zur Verringerung langlebiger Kondensstreifen. Zugleich warnen DLR und BDL vor Wettbewerbsverzerrungen durch unterschiedliche regulatorische Vorgaben. Verlagern sich Verkehr und Emissionen lediglich in Regionen außerhalb Europas, entstehe kein entsprechender globaler Klimavorteil.

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