Auf Santorin drängen sich Urlauber durch die Gassen, auf der Nachbarinsel Anafi leben nicht einmal 300 Menschen: Wer im Urlaub vor allem seine Ruhe haben möchte, muss offenbar nicht immer weit von den bekannten Zielen abrücken. Im Unspoilt Index der Buchungsplattform BookRetreats landet die kleine Kykladeninsel weltweit auf Platz zwei. Nur Stewart Island in Neuseeland schneidet besser ab.
Für das Ranking wurden 100 Inseln anhand von Satelliten- und Kartendaten untersucht. In die Bewertung flossen sechs Kriterien ein: Naturnähe, Straßendichte, Flugverkehr, Bevölkerungsdichte, künstliches Licht bei Nacht und naturbelassene Küstenorte.
Eine flächendeckende Schallmessung ist das also nicht: Der Index bewertet Bedingungen, die Ruhe begünstigen. Auch auf den gut platzierten Inseln können einzelne Orte zur Hauptsaison entsprechend lebhaft sein.
1. Stewart Island, Neuseeland: Mehr Kiwis als Menschen
Mit 94,6 von 100 Punkten führt Stewart Island das Ranking an. Rund 500 Einwohner teilen sich Neuseelands drittgrößte Insel mit etwa 20.000 Kiwis; rund 85 Prozent der Fläche gehören zum Rakiura-Nationalpark. Besucher erkunden Wälder und abgelegene Buchten auf 280 Kilometern Wanderwegen – und können nachts mit etwas Glück Südlichter beobachten.
2. Anafi, Griechenland: Santorins stille Nachbarin
Europas bestplatzierte Insel liegt nahe Santorin, hat mit dessen Besucherandrang aber wenig gemein. Auf Anafis rund 40 Quadratkilometern leben weniger als 300 Menschen; einen Flughafen gibt es nicht. Strände wie Roukounas und Klisidi locken ans Wasser, während hoch oben auf dem Kalamos-Felsen das weiß getünchte Kloster Panagia Kalamiotissa steht.
3. Ilha Grande, Brasilien: Regenwald bis ans Meer
Auf Ilha Grande vor der Küste des Bundesstaates Rio de Janeiro sind private Autos verboten, die Anreise erfolgt per Boot. Hinter dem lebhaften Hafenort Vila do Abraão beginnt Atlantischer Regenwald, der nahezu die gesamte Insel bedeckt. Viele Buchten sind nur über Wanderwege oder vom Wasser aus erreichbar – entsprechend leicht lässt sich Abstand vom Trubel gewinnen.
4. Lord-Howe-Insel, Australien: Höchstens 400 Gäste gleichzeitig
Die Lord-Howe-Insel in der Tasmansee begrenzt die Zahl ihrer Urlauber auf maximal 400 gleichzeitig. Knapp zwei Flugstunden von Sydney entfernt, treffen Besucher auf subtropische Wälder, geschützte Meeresgebiete und den 875 Meter hohen Mount Gower. Wer dessen anspruchsvollen Aufstieg scheut, kann die Insel auch im Fahrradtempo entdecken.
5. St Martin’s, England: Eine Bucht für sich allein
Auf St Martin’s, einer der Scilly-Inseln vor Cornwall, leben nur rund 135 Menschen. Zwölf Strände verteilen sich auf 13 Kilometer Küste, hinzu kommen ein Weinberg, eine Blumenfarm und ein familiengeführter Pub mit Meerblick. Nachts bietet die geringe Lichtverschmutzung gute Bedingungen zum Sternegucken – die Insel besitzt sogar eine eigene Sternwarte.
6. Tioman, Malaysia: Zwischen Dschungel und Korallenriff
Tioman vor Malaysias Ostküste erreicht im Ranking die beste Platzierung Asiens. Dichter Regenwald prägt das Inselinnere, während Besucher zwischen den Buchten häufig mit Wassertaxis unterwegs sind. Am Salang Beach lässt sich ein Riff direkt vom Strand aus erschwimmen; weitere Tauchplätze bieten Korallen, Schildkröten und Schiffswracks.
7. Koh Chang, Thailand: Viel Wald, wenig Eile
Koh Chang ist touristisch erschlossen, im Inselinneren dominiert jedoch dichter Regenwald. Die Anreise erfolgt mit der Fähre vom Festland, einen Flughafen gibt es auf der Insel nicht. Neben Stränden und dem Pfahldorf Bang Bao lockt der Nationalpark Mu Ko Chang mit zahlreichen kleineren Inseln und Tauchrevieren.
8. Koh Rong, Kambodscha: Ruhe abseits der Partystrände
Koh Rong zeigt, warum auch ein gutes Ruhe-Ranking einen zweiten Blick verlangt: Rund um Koh Touch gehören Bars und Partys zur Hochsaison dazu. An anderen Küstenabschnitten warten dagegen lange Strände und bewaldetes Hinterland. Nach Einbruch der Dunkelheit lässt sich mit etwas Glück leuchtendes Plankton im Meer beobachten.
9. Havelock Island, Indien: Wald, Strand und wenig dazwischen
Havelock Island, offiziell Swaraj Dweep, gehört zu den indischen Andamanen und ist per Fähre erreichbar. Trotz wachsender Beliebtheit als Badeziel bleibt ein großer Teil der Insel bewaldet. Radhanagar Beach, Mangrovengebiete und Tauchplätze wie Dixon’s Pinnacle bieten reichlich Anlass, sich länger aufzuhalten.
10. Santa Catalina Island, USA: Kalifornien schaltet einen Gang zurück
Nur rund eine Fährstunde von Long Beach entfernt, ist Santa Catalina ein beliebtes Ausflugsziel – besonders im Hafenort Avalon kann es entsprechend lebhaft werden. Jenseits der Orte stehen jedoch große Teile der Insel unter dem Schutz der Catalina Island Conservancy. Wanderwege führen durch das Hinterland, in dem sogar eine frei lebende Bisonherde unterwegs ist.
11. Isle of Skye, Schottland: Weite statt Wärme
Die Isle of Skye bietet Moorlandschaften, Berge und zerklüftete Küsten auf mehr als 1.600 Quadratkilometern. Bekannte Ziele wie der Old Man of Storr oder die Fairy Pools ziehen viele Besucher an, doch abseits dieser Anziehungspunkte bleibt viel Raum. Wer Ruhe sucht, findet sie hier eher beim Wandern als auf dem Badetuch.
12. Isla Holbox, Mexiko: Sandwege statt Autokolonnen
Auf der Isla Holbox vor Yucatán ersetzen Fahrräder und Golfcarts weitgehend den klassischen Straßenverkehr. Die Insel liegt im Schutzgebiet Yum Balam, das unter anderem Flamingos und Meeresschildkröten Lebensraum bietet. Zwischen Mai und September ziehen zudem Walhaie in die planktonreichen Gewässer vor der Küste.
13. Magnetic Island, Australien: Koalas vor der Haustür
Nur 20 Fährminuten von Townsville entfernt, verbindet Magnetic Island gute Erreichbarkeit mit ausgedehnten geschützten Naturräumen. Mehr als 30 Strände und Buchten gliedern die Küste. Auf dem Forts Walk lohnt sich der Blick in die Bäume nach Koalas, an den Granitfelsen der Geoffrey Bay lassen sich Felskängurus beobachten.
14. Herm, Kanalinseln: Zwei Stunden für eine Inselrunde
Herm ist gerade einmal 1,3 Quadratkilometer groß und zählt rund 60 Einwohner. Von Guernsey dauert die Bootsfahrt etwa 20 Minuten, danach geht es zu Fuß weiter. Ein Küstenrundgang führt in ungefähr zwei Stunden um die Insel und verbindet Strände wie Shell Beach und die geschützte Belvoir Bay.
15. Boa Vista, Kap Verde: Platz bis zum Horizont
Dünen, weite Strände und karge Landschaften bestimmen Boa Vista, die östlichste der Kapverdischen Inseln. Rund um den Hauptort Sal Rei und die Resorts konzentriert sich der Tourismus, große Teile der Insel sind wenig erschlossen. Ihre Strände sind außerdem wichtige Nistplätze für Meeresschildkröten, die hier zwischen Juni und Oktober zur Eiablage an Land kommen.
Kommentar veröffentlichen