Einsparungen von 2,5 Milliarden Euro
Deutsche Telekom will KI-Geschäft massiv ausbauen

| Redaktion 
| 05.10.2026

Die Deutsche Telekom macht Künstliche Intelligenz zu einem zentralen Hebel ihrer Wachstums- und Effizienzstrategie. Bis 2030 soll der KI-bezogene Umsatz mit Unternehmen außerhalb der USA auf rund 800 Millionen Euro steigen. Gleichzeitig erwartet der Konzern Einsparungen in Milliardenhöhe. Beim KI-Investorentag in Bonn zeigt die Telekom, wie tief die Technologie bereits in Netze, Kundenservice und Geschäftsmodelle eingreift.

Die Deutsche Telekom setzt beim Ausbau ihres KI-Geschäfts konkrete finanzielle Ziele. Für 2026 rechnet der Konzern außerhalb der USA mit rund 250 Millionen Euro KI-bezogenem Umsatz mit Unternehmen. Bis 2030 soll dieser Wert auf rund 800 Millionen Euro steigen. Eine wichtige Rolle spielt dabei der wachsende Bedarf europäischer Unternehmen und öffentlicher Einrichtungen an souveränen KI-Lösungen.

Als Basis nennt die Telekom unter anderem ihre Industrial AI Cloud in München, die im Februar 2026 in Betrieb genommen wurde. Die Infrastruktur richtet sich unter anderem an Industrieunternehmen, Mittelständler, Start-ups sowie Behörden und Forschungseinrichtungen. Für den Mittelstand entwickelt der Konzern zudem eine Plattform, die wiederkehrende Aufgaben etwa im Service oder in der Logistik automatisieren soll.

Auch im Privatkundengeschäft sollen neue Erlösquellen entstehen. Der Magenta AI Assistant kann Mobilfunkgespräche live übersetzen, Fragen beantworten und Gesprächsinhalte zusammenfassen. Einen KI-Assistenten mit Echtzeitübersetzung direkt im Mobilfunknetz hatte die Telekom bereits im Frühjahr vorgestellt. Nach Angaben des Konzerns funktioniert die Technik ohne zusätzliche App oder neues Endgerät. Die Telekom sieht darin Potenzial für Zusatzdienste und neue Tarifangebote.

2,5 Milliarden Euro weniger indirekte Kosten

Neben zusätzlichen Umsätzen soll KI vor allem die Effizienz erhöhen. Die Telekom setzt die Technologie bereits im Netzbetrieb, Kundenservice, in der Softwareentwicklung und in Verwaltungsprozessen ein. Der Chatbot "Frag Magenta" übernahm im ersten Halbjahr 2026 rund 2,6 Millionen Anrufe im Kundenservice. In den USA sank die Zahl der Kundenservice-Anrufe laut Konzern um 55 Prozent, während KI-Agenten dort inzwischen 40 Prozent der Kundenkontakte bearbeiten.

Für 2027 erwartet die Telekom außerhalb der USA rund 1,1 Milliarden Euro Bruttoeinsparungen durch KI und Automatisierung gegenüber 2023. Bis 2030 sollen die indirekten Kosten um rund 2,5 Milliarden Euro sinken. Einen Teil der zusätzlichen Einsparungen im Jahr 2027 will der Konzern in die digitale Transformation und den Glasfaserausbau in Deutschland investieren.

Damit wird KI für die Telekom nicht nur zu einem Instrument zur Kostensenkung. Die Technologie soll finanziellen Spielraum für Investitionen schaffen und zugleich neue Geschäftsmodelle ermöglichen. Das trifft auf ein entsprechend großes wirtschaftliches Umfeld: Eine McKinsey-Analyse sieht für Deutschland bis 2030 ein KI-bedingtes Produktivitätspotenzial von bis zu 486 Milliarden US-Dollar.

KI greift direkt in den Netzbetrieb ein

Wie weit die Technologie bereits in operative Prozesse vorgedrungen ist, zeigt der Mobilfunk. Der sogenannte "RAN Guardian Agent" erkennt drohende Netzbelastungen, beispielsweise bei Großveranstaltungen, und unterstützt das Netzmanagement bei Gegenmaßnahmen. Nach Angaben der Telekom sank die Bearbeitungszeit entsprechender Ereignisse von mehreren Stunden auf rund eine Minute.

Im Kundenservice stellt KI Mitarbeiter während Gesprächen passende Informationen bereit und übernimmt die Dokumentation. Bei der Einrichtung neuer Anschlüsse soll sie mögliche Probleme erkennen, bevor Beschwerden entstehen. Erste Anwendungsfälle zeigen laut Telekom einen Rückgang der Beschwerden um 30 Prozent.

Parallel versucht der Konzern, KI breiter in der eigenen Organisation zu verankern. Mehr als 100.000 Mitarbeiter wurden bereits im Umgang mit der Technologie geschult. Zum Einsatz kommen unter anderem AskT, ChatGPT Enterprise und Microsoft Copilot. Die Verantwortung für Entscheidungen soll dabei weiterhin bei den Beschäftigten liegen.

Für die Telekom wird damit entscheidend, ob sich die angekündigten Effekte auch konzernweit skalieren lassen. Die Ziele für Umsatz und Einsparungen reichen bis 2030 und sind entsprechend zukunftsgerichtet. Der Konzern bestätigt zugleich seine Prognose und seine mittelfristigen Ziele.

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