Spatenstich für Nii Kiarwai
So wird Lidl auf Sylt zum Vermieter

| Redaktion 
| 27.09.2026

Auf Sylt wird Wohnraum dringend benötigt – und mit Lidl will ihn künftig jemand anbieten, den man dabei mutmaßlich nicht als heißesten Kandidaten gehandelt hat: In Tinnum entsteht seit letzter Woche ein auf Nachhaltigkeit bedachter Neubau, der neben (oder genauer gesagt über) einer modernen Filiale auch 15 zusätzliche Wohneinheiten schafft. Gemeinsam mit dem Bestand soll so ein "vitales Versorgungszentrum" realisiert werden.

Diesen Sommer war einmal mehr viel los auf Sylt: Es gab Polo auf hohem Niveau, eine Modenschau mitten in Keitum, eine prominent besetzte Inselumrundung auf zwei Rädern, eine Geburtstagsfeier für einen Mops und nicht zuletzt das längste Fischbrötchen, das jemals auf diesem Planeten existierte. Außerdem haben wir festgestellt, dass die größte nordfriesische Insel weiterhin einer der teuersten Immobilienstandorte Deutschlands ist.

Auf jenem Immobilienmarkt von Sylt macht sich demnächst ein Akteur breit, den die meisten Menschen eher mit alltäglichen Einkäufen in Verbindung bringen: Lidl baut seit letzter Woche einen neuen Standort in Tinnum, der eine Filiale und neue Wohnflächen wortwörtlich unter ein Dach bringt.

"Dieses Projekt markiert einen zentralen Meilenstein für unsere Standortentwicklung", bekräftigt Jan Brenn, der Chief Real Estate Officer von Lidl in Deutschland. "Als Immobilienverantwortliche denken wir Filialen ganzheitlich: Wir beweisen in Tinnum, wie wir komplexe Anforderungsprofile verdichtet umsetzen und architektonische Qualität mit echtem Mehrwert für das regionale Umfeld vereinen."

15 Wohnungen über dem Lidl geplant

Genauer macht sich der Discounter ein rund 16.000 Quadratmeter großes Grundstück zunutze, auf dem derzeit bereits ein Lidl zu finden ist. Direkt daneben erfolgte vergangenen Mittwoch der feierliche Spatenstich für einen Neubau, der im Erdgeschoss eine moderne Filiale enthält und in der darüberliegenden Etage genug Platz für 15 Wohneinheiten bietet, die zwischen 44 und 78 Quadratmeter Fläche umfassen sollen.

Konzept vom neuen Tinnum-Lidl samt darüberliegenden Wohnungen (Bild: Lidl / Holt Nicolaisen)
Konzept vom neuen Tinnum-Lidl samt darüberliegenden Wohnungen (Bild: Lidl / Holt Nicolaisen)

Lidl setzt auf Holz als primären Baustoff, plant eine Teilbegrünung von Hauptdach und Fassade und legt von den Pflastersteinen über Aluminium bis hin zum Glas großen Wert auf Materialwiederverwertung.

Unterm Strich erhofft sich das Unternehmen dadurch, eine Gold-Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) zu erhalten. Auch komplett aus erneuerbaren Energien bezogener Strom, Wärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln oder auch eine eigene Photovoltaikanlage gehören zum Konzept.

Alte Filialfläche findet neue Nutzer

Die künftige Tinnum-Filiale soll sich über etwa 1600 Quadratmeter erstrecken. "Wir freuen uns sehr, den Standort weiterzuentwickeln. Mit dem Neubau und den ergänzenden Nutzungen auf dem Areal richten wir unser Angebot noch konsequenter an den Wünschen unserer Kunden aus", versichert Alexander Dohrn, Leiter Immobilien Region Nord der Lidl Immobilien Dienstleistung GmbH & Co. KG. "Rund 184 Stellplätze garantieren dabei auch weiterhin ein rundum komfortables Einkaufen."

Eindruck vom Spatenstich am Mittwoch, 23. September 2026 (Bild: Lidl)
Eindruck vom Spatenstich am Mittwoch, 23. September 2026 (Bild: Lidl)

Tina Haltermann, Bürgermeisterin der Gemeinde Sylt, war beim Spatenstich persönlich zugegen und erzählt: "Das ist ein wegweisender Schritt für den lokalen Einzelhandel auf Sylt. Lidl zeigt eindrucksvoll, wie flächenschonend moderner Handel gestaltet und direkt mit dringend benötigtem Wohnraum für unsere Insel verknüpft werden kann."

Die 15 Einheiten über der neuen Lidl-Filiale sollen explizit "zur Entlastung des Wohnungsmarkts auf Sylt" beitragen und richten sich insbesondere an Berufspendler; eine Nutzung als Ferienwohnung ist offenbar nicht angedacht.

Gleichzeitig bleibt das Gebäude, das Lidl bisher ein Dach bietet, erhalten und in Zukunft mit einer Drogerie, einer Apotheke und anderen regionalen Anbietern besetzt. Auf diese Weise sollen "Neubau und Bestand zu einem vitalen Versorgungszentrum zusammenwachsen", das auf den Namen "Nii Kiarwai" getauft wird.

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