Roman über deutsche Geschichte und Heimat
Shida Bazyar gewinnt mit "Die Lücken" Deutschen Buchpreis 2026

Der Deutsche Buchpreis 2026 geht an Shida Bazyar. Ihr Roman "Die Lücken", erschienen bei Kiepenheuer & Witsch, wurde zum "Roman des Jahres 2026" gekürt. Im Mittelpunkt des Buches stehen fast 100 Jahre deutsche Geschichte und die Frage, auf welchen Fundamenten Menschen ihre Heimat aufbauen.

Bazyar verbindet dafür unterschiedliche Generationen und historische Erfahrungen. Schauplatz ist das fiktive Heimesbach im Hunsrück. Dort treffen verdrängte Vergangenheit, Migration und die Suche nach Zugehörigkeit aufeinander. Die Jury hebt neben der inhaltlichen Auseinandersetzung mit deutscher Geschichte insbesondere die ungewöhnliche Erzählweise des Romans hervor.

Deutscher Buchpreis 2026 geht an Shida Bazyar

Mit "Die Lücken" richtet Shida Bazyar den Blick auf einen Ort, in dessen Häusern und Biografien sich rund 90 Jahre deutscher Geschichte spiegeln. Die zentrale Frage des Romans lautet: "Auf welchen Fundamenten bauen wir unsere Heimat?"

Heimesbach wird dabei zu einem Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart eng miteinander verbunden sind. Die Gemeinschaft versucht, Teile ihrer eigenen Geschichte zu verbergen. Gleichzeitig wird der Ort zum Zufluchtsraum für Menschen, die nach Zugehörigkeit und Sicherheit suchen.

Bazyar erzählt von jüdischen Familien, die alles verloren haben. Ihnen gegenüber stehen Menschen, die während der NS-Zeit profitierten und sich später als vermeintlich unbeteiligte Mitläufer neu erfanden. Jahrzehnte später gelangen die Familien Sharifi und Karimpour nach ihrer Flucht aus dem Iran nach Heimesbach.
Der Roman verbindet diese unterschiedlichen Lebensgeschichten zu einem Erzählmosaik. Dabei geht es um die Last der Geschichte, um vermeintliche Neuanfänge und um den Wunsch, einen Ort zu finden, den man Heimat nennen kann.

Die Auseinandersetzung mit Exil und postmigrantischer Gegenwart knüpft zugleich an Themen an, die bereits Bazyars frühere Romane geprägt haben. In "Die Lücken" erweitert sie diesen Blick um die historische Entwicklung eines fiktiven deutschen Ortes und die Frage, wie Vergangenheit über Generationen hinweg fortwirkt.

Jury hebt Erzählweise von "Die Lücken" hervor

In ihrer Begründung stellt die Jury die Frage: "Heimisch in Heimesbach – kann man das sein?" Der Roman spiegle anhand einzelner Figuren fast ein Jahrhundert ambivalenten Lebens in Deutschland.

Dabei verbindet das Buch verschiedene historische Erfahrungen. Einst beobachteten Nachbar:innen, wie jüdische Menschen verschwanden. Später entscheiden wiederum Nachbar:innen darüber, ob sich Menschen mit Migrationsgeschichte in ihrer Umgebung tatsächlich heimisch fühlen können.

Die Jury hebt außerdem die literarischen Mittel hervor, mit denen Bazyar diese Geschichte erzählt. Dazu zählen eine tote Erzählerin, eine kaleidoskopische Struktur sowie Sprünge zwischen unterschiedlichen Zeiten. Auch das Wechselspiel von Nähe und Distanz prägt den Roman.

Fiktionale und dokumentarische Elemente werden dabei miteinander verbunden. Erfundene und historische Figuren erhalten eigene Stimmen. Durch diese Konstruktion entsteht keine geradlinige historische Erzählung. Stattdessen setzt sich das Bild des Ortes aus unterschiedlichen Perspektiven, Erinnerungen und Erfahrungen zusammen.
Die Jury fasst ihre Einschätzung in einem kurzen Satz zusammen: "Ein Roman gegen Gleichgültigkeit."

Damit richtet sich der Blick nicht allein auf historische Ereignisse. Im Zentrum steht auch die Frage, wie Gesellschaften mit ihrer Vergangenheit umgehen und welche Auswirkungen Verdrängung auf spätere Generationen haben kann. Heimesbach dient dafür als literarischer Schauplatz, an dem verschiedene Phasen deutscher Geschichte aufeinandertreffen.

Sechs Romane standen auf der Shortlist

"Die Lücken" setzte sich beim Deutschen Buchpreis 2026 gegen fünf weitere Werke auf der Shortlist durch. Insgesamt standen sechs Romane in der finalen Auswahl. Neben Bazyars Gewinnerroman waren "Orca", "Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle", "Schleifen", "Selbstregulierung des Herzens" sowie "Anton und Alma" nominiert.

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV