US-Expansion mit Standortkritik
Caspar Brockhaus: "Wir gehen dorthin, wo wir Wachstum sehen"

| Redaktion 
| 06.10.2026

Die Brockhaus Group will dort wachsen, wo der Markt das Potenzial dafür bietet – und CEO Caspar Brockhaus sieht entsprechende Möglichkeiten derzeit vor allem in Nordamerika: Mit der Gründung einer eigenen Gesellschaft soll sich der Umsatz vor Ort verdreifachen. Deutschland bleibt Produktions- und Entwicklungsstandort, allerdings möchte das Unternehmen in der Heimat kein "Spielball der Politik" mehr sein.

Die Vereinigten Staaten sind nicht irgendein Expansions-Ziel: "Amerika gleich zwei Mal", antwortete uns Caspar Brockhaus im April letzten Jahres auf die Frage, welche seiner Ausbildungsstationen ein Game-Changer für ihn war.

Nach einer Phase als mäßig motivierter Teenager lernte er erst durch einen Aufenthalt in den USA "eine andere Geisteshaltung" kennen und verinnerlichte, "dass Leistung in allen Bereichen erstrebenswert ist."

Zwanzig Jahre nach einem Abitur mit versöhnlichem Einser-Schnitt habe ihm Harvard zudem "den Anstoß für eine mutigere und progressivere Unternehmensführung, als sie im europäischen Mittelstand verbreitet ist", gegeben.

Seit wiederum 17 Jahren führt Caspar Brockhaus in sechster Generation die Brockhaus Group an. Das mittelständische Familienunternehmen zählt Stahlbearbeitung, die Herstellung innovativer Messgeräte, Elektromobilität oder Recycling zu seinen Schwerpunkten – und nun möchte es jenseits des Atlantik Fuß fassen.

Nordamerika soll Wachstumsmotor werden

"Mit der Gründung der Brockhaus Inc. in den USA gehen wir den konsequenten nächsten Schritt in unserer Strategie der Brockhaus Messtechnik", verkündet Caspar Brockhaus der Gruppe per LinkedIn-Posting.

Der CEO führt aus: "Der amerikanische Markt ist in etwa so groß wie der europäische. Als deutsches Unternehmen haben wir unseren Heimatmarkt allerdings erheblich besser erschlossen. Genau diese Lücke wollen wir schließen und unseren Umsatz in Nordamerika in den kommenden Jahren verdreifachen."

Eine rundum logisch und vergleichsweise unspektakulär anmutende Entscheidung, die Brockhaus in seinem Posting allerdings um politische Perspektive erweitert und dabei mit Deutschland als Standort ins Gericht geht.

Brockhaus gibt zu bedenken, dass die US-Wirtschaft unabhängig von "merkwürdigen Nachrichten" rund um Präsident Donald J. Trump ein etwa 20-prozentiges Wachstum seit Ende des letzten Jahrzehnts verzeichnen würde, von dem hierzulande weit und breit keine Spur ist.

Der Unternehmer hält fest: "Dass wirtschaftliches Wachstum ultimativ Wohlstand sichert und persönliche Aufstiegschancen generiert, ist keine Meinung, sondern Fakt."

"Wir wollen nicht der Spielball der Politik sein"

In Deutschland und der Europäischen Union würde jene Tatsache immer noch zu wenig priorisiert. "Wir bei Brockhaus wollen nicht der Spielball der Politik sein", unterstreicht der CEO deshalb. "Wir wollen erfolgreich sein, gerne mit, aber wenn nötig auch ohne gute Standortbedingungen. Deswegen gehen wir dorthin, wo wir Wachstum sehen."

Gleichzeitig möchte Brockhaus den bisherigen Standorten – drei in Deutschland, einer in Polen – keineswegs den Rücken kehren: Laut Caspar Brockhaus geht es ausdrücklich nicht um einer Verlagerung, sondern eine Erweiterung. "Entwicklung und Fertigung bleiben dort, wo sie sind", heißt es von oberster Stelle.

Er schließt seinen Beitrag mit einem ambitionierten Ausblick, in dem nichtsdestotrotz auch Frustration hinsichtlich des deutschen Status Quo mitschwingen dürfte: "Die Welt ist groß, die Weltwirtschaft wächst und wir sind in der Lage, Chancen in anderen Ländern zu nutzen. Das gilt nicht nur für die Messtechnik, sondern für alle Geschäftsbereiche. Unsere Märkte enden nicht an der Grenze."

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