Statistisches Bundesamt
Erbschaften: Zwischen Ost und West liegen Welten

| Redaktion 
| 29.09.2026

Deutschland weist ein klares Ost-West-Gefälle auf, was vererbtes und verschenktes Vermögen betrifft. Aktuelle Zahlen aus dem Statistischen Bundesamt machen die Dimensionen deutlich: Obwohl 19 Prozent der Bevölkerung in den neuen Bundesländern leben, entfallen lediglich fünf Prozent der steuerlich erfassten Vermögensübertragungen auf den Osten.

Erben ist ein eigentümlicher Vorgang: Finanziell kann es einen befreienden Wendepunkt darstellen, während es auf persönlicher Ebene mit einem oft sehr schmerzhaften Verlust einhergeht. Plötzlich wechseln Häuser, Konten, Unternehmen oder andere Vermögenswerte den Besitzer; meist generationsübergreifend innerhalb einer Familie.

Darüber hinaus verlagern Schenkungen diesen Prozess teilweise ins Leben derjenigen, die ihr Vermögen weitergeben – und beide Vorgänge prägen entscheidend, wie sich Besitz in einer Gesellschaft von einer Generation auf die nächste verteilt.

Wie das Statistische Bundesamt anhand aktueller Daten dokumentiert, gibt es dabei eklatante Unterschiede zwischen alten und neuen Bundesländern: Ganze 95 Prozent des steuerlich erfassten Erb- und Schenkungsvermögens entfallen auf den Westen.

Zahlen beziehen sich nur auf steuerlich berücksichtige Übertragungen

Konkret sind in den westdeutschen Bundesländern im letzten Jahr 142,5 Milliarden Euro zusammengekommen, in Berlin und den ostdeutschen Bundesländern waren es dagegen lediglich runde acht Milliarden Euro.

Dabei gilt zu beachten, dass die Zahlen keinesfalls das gesamte in Deutschland vererbte oder verschenkte Vermögen abbilden: Erfasst werden in der aktuellen Statistik ausschließlich jene Vermögensübertragungen, die im Rahmen der Erbschaft- und Schenkungsteuer von den Finanzämtern steuerlich berücksichtigt wurden.

Die meisten Erbschaften und Schenkungen liegen laut Destatis vollständig innerhalb der gesetzlichen Freibeträge und werden deshalb nicht steuerlich festgesetzt; entsprechend tauchen sie nicht in der Dienstag veröffentlichten Untersuchung auf.

Westen auch pro Kopf klar vorne

Der gesamtdeutsche Schnitt für steuerlich berücksichtigte vererbte und verschenkte Vermögen lag 2025 bei gut 1800 Euro pro Kopf, wobei auch dieser Wert maßgeblich vom Westen geprägt wird: 2100 von den Finanzämtern veranlagte Euro stehen hier 500 Euro im Osten gegenüber.

In den neuen Bundesländern leben etwa 19 Prozent der Bevölkerung; gemäß der 95 Prozent steuerlich erfasster Posten im Westen entfallen jedoch lediglich fünf Prozent auf Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Berlin.

Zu gleichem Anteil haben die Finanzämter der Länder dementsprechend profitiert: Insgesamt 21,4 Milliarden Euro Erbschaft- und Schenkungsteuer wurden im vergangenen Jahr in Deutschland festgesetzt, wobei 20,4 Milliarden Euro im Westen und eine Milliarde Euro im Osten an den Fiskus abgetreten werden mussten.

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