Baustoffproduktion um 16,7% eingebrochen
Baukrise: Bundesverband schlägt Alarm

| Redaktion 
| 21.02.2024

Die jüngsten Daten des Statistischen Bundesamtes haben alarmierende Rückgänge in der Baustoffproduktion für das Jahr 2023 offenbart.

Laut dem Bundesverband Baustoffe - Steine und Erden (bbs) sank die Produktion im vergangenen Jahr um besorgniserregende 16,7%. Einige Sektoren verzeichneten sogar Einbrüche von bis zu 40%. Der bbs, der etwa 6.000 Betriebe aus 16 Einzelbranchen der Baustoff-Steine-Erden-Industrie vertritt, warnt vor einer Verschärfung der bereits bestehenden Baukrise.

Bereits im Vorjahr 2022 hatte eine Kombination aus der Zinswende, hohen Baukosten, verschlechterten Förderbedingungen im Wohnungsbau und einer allgemeinen Unsicherheit in der Bauwirtschaft zu einem Abschwung geführt. Dieser Trend hat sich im Jahr 2023 massiv fortgesetzt, insbesondere bei den Produzenten von Baustoffen, die für den Wohnungsbau essenziell sind. So wurden etwa knapp 40% weniger Ziegel und über 30% weniger Kalksandstein und Porenbeton hergestellt, was etwa zwei Drittel des Marktanteils im Wohnungsbau ausmacht.

Verband spricht Warnung aus

Matthias Frederichs, Hauptgeschäftsführer des bbs, warnt vor den sozialen Folgen dieses Abwärtstrends. Er betont, dass die Situation auf den Wohnungsmärkten sich weiter zuspitze und der Wohnungsbau an einem Wendepunkt stehe. Die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage im Wohnungsbau könne schwerwiegende soziale Konsequenzen haben.

Neben dem Mauerwerksbau verzeichneten auch andere Sektoren wie die Herstellung von Zement, Transportbeton, mineralischen Rohstoffen, Mörtel und keramischen Fliesen erhebliche Rückgänge. Frederichs macht deutlich, dass die Auswirkungen dieser Entwicklung weitreichend seien und die gesamte Gesellschaft betreffen würden. Weniger Baustoffe bedeuteten nicht nur weniger neue Wohnungen, sondern auch weniger Instandhaltung von Gebäuden und Infrastruktur sowie eine Behinderung der Energiewende.

Die Politik in der Verantwortung

Um dem Abwärtstrend entgegenzuwirken, fordert Frederichs mehr Verlässlichkeit in der baupolitischen Agenda. Er unterstreicht die Notwendigkeit von Vertrauen in langfristige Investitionen und kritisiert die abrupte Einstellung von Förderprogrammen und Gesetzesänderungen. Sowohl die Bundesregierung als auch die Opposition und die Länder werden aufgerufen, konstruktiv zusammenzuarbeiten, um die Baukonjunktur anzukurbeln.

"Eine Baufinanzierung ist häufig die größte Investition, die im Laufe des Lebens getätigt wird. Damit dieses Risiko eingegangen wird, braucht es Vertrauen. Das Heizungsgesetz, aber auch zahlreiche Förderprogramme, die über Nacht eingestellt wurden, haben dieses Vertrauen nachhaltig beschädigt. Diesen Fehler muss sich die Ampel auf die Fahne schreiben." Doch nicht nur die Bundesregierung, auch Opposition und Länder haben zur aktuellen Situation beigetragen: "Es ist nicht nachvollziehbar, in dieser Zeit aus parteitaktischen Gründen das Wachstumschancengesetz zu verzögern."

Die kürzlich im Zuge der Haushaltsverhandlungen bereitgestellte zusätzliche Milliarde Euro für den Wohnungsbau wird als ein wichtiges erstes Signal gewertet, jedoch werden weitere Schritte zur Stützung der Bauindustrie als dringend erforderlich angesehen. Angesichts des anhaltenden Produktionsrückgangs dürfe es nicht zu einem dauerhaften Abbau von Produktionskapazitäten kommen, besonders angesichts des hohen Bedarfs an Wohnraum, des Investitionsstaus in der Infrastruktur und der ehrgeizigen Klimaschutzpläne des Landes.

Kommentar schreiben

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV