"Cannabis-Legalisierung könnte tausende Führerscheine gefährden"

MPU-Berater Dustin Senebald verrät, welche Gesetze dringend angepasst werden müssten.

Die Legalisierung von Cannabis soll durch die aktuelle Bundesregierung in naher Zukunft in Kraft treten. Allerdings lasse das Thema Verkehrssicherheit in diesem Zuge noch einige Fragen offen, sagt Dustin Senebald, seines Zeichens MPU-Berater (MPU steht für Medizinisch-Psychologische Untersuchung – Anm. d. Red.). Denn der Konsum von Cannabis beeinträchtigt die Fähigkeit des Autofahrens – ähnlich wie Alkohol.

Keine Berechnungsgrundlage für Abbauzeiten

Anders als bei Alkoholkonsum gibt es für Cannabis allerdings noch keine Berechnungsgrundlage für die Abbauzeiten. Der Grenzwert von einem Nanogramm THC kann je nach Stoffwechsel unterschiedlich schnell oder langsam erreicht werden. Was bedeutet das für das Autofahren?

"Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass der Konsum von Cannabis noch nach mehreren Tagen im Körper nachgewiesen werden kann – selbst wenn man völlig nüchtern ist. Daher müssen Autofahrer hier mit einem Führerscheinentzug rechnen, auch wenn die Legalisierung bereits in Kraft getreten ist", erklärt der MPU-Berater.

Mögliche Folgen einer Verkehrskontrolle

Dustin Senebald ist sicher, dass die Legalisierung viele Menschen dazu anregen wird, das Rauchen von Marihuana auszuprobieren. Denn auch wenn die Zahl der Konsumenten trotz der fehlenden Legalisierung sehr hoch ist, sind es längst nicht alle Bürger, die illegal Gras konsumieren. Einige halten sich an das Verbot der Regierung. So wird die Legalisierung der Droge einige dieser Personen dazu bringen, Cannabis ausprobieren zu wollen. "Das ist zunächst einmal nicht problematisch, allerdings kann sich das schnell ändern. Hat man zu Beginn noch alle paar Wochen am Freitag oder Samstag Gras geraucht, dann kann man sich am Montag bedenkenlos ans Steuer setzen, da sich das THC bis dahin wieder abgebaut hat", erklärt Senebald.

Allerdings werde es in vielen Fällen nicht dabei bleiben. Schließlich löst das Rauchen von Gras in den meisten Menschen ein Glücksgefühl aus – wie es alle Drogen tun. Daher ist es nach Ansicht des MPU-Beraters möglich, dass der Konsum rasant zunehmen wird. "So steigt auch die Chance, dass der aktive THC-Wert aufgrund des erhöhten Konsums nicht mehr in sechs bis zehn Stunden komplett abgebaut ist. Denn mit erhöhtem Konsum kann er auch noch 20 bis 30 Stunden im Körper nachweisbar sein – das unterschätzen viele Menschen allerdings", ist Dustin Senebald überzeugt. "Sie setzen sich also Montag Morgen wieder vor das Steuer, da sie sich völlig nüchtern fühlen. Bei einer Verkehrskontrolle handelt es sich dann trotzdem um eine illegale Rauschfahrt. Das heißt, der Führerschein wird eingezogen und eine MPU muss durchgeführt werden."

Anhebung des Grenzwerts

Bei der Legalisierung von Cannabis wird es sich verhalten wie mit Alkohol: Es wird ein realistischer Grenzwert festgelegt, der beim Autofahren nicht überschritten werden darf. Da sich der regelmäßige Konsum allerdings auf den Abbau von THC im Körper auswirken kann, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, wie lange dieser im Körper nachweisbar ist.

Daher sollte dieser Grenzwert von aktuell einem Nanogramm mit der Legalisierung auf drei Nanogramm erhöht werden, ist Senebald überzeugt: "Nicht nur ist der Paragraph 24a StVG Absatz 2 aus dem Jahr 2004 und somit sehr veraltet. Auch ist es Konsumenten bei einem Grenzwert von drei Nanogramm möglich, abends Cannabis zu konsumieren und morgens wieder Auto zu fahren. Das Gras hat nach dieser Zeit keinen Einfluss mehr auf sie und sie müssen keine Ordnungswidrigkeit riskieren."

Das verändert sich im Straßenverkehr

Sehr vielen Menschen sei nicht bewusst, was die Legalisierung von Cannabis für das Autofahren bedeutet. "Fakt ist, alle Menschen, denen vor der Legalisierung ihre Fahrerlaubnis aufgrund von Graskonsums entzogen wurde, müssen sich auch nach der Legalisierung rechtfertigen und ihre MPU durchführen", erklärt Senebald. Die illegale Rauschfahrt wird also nicht einfach vergessen.

Darüber hinaus ist der Experte sicher, dass sich der Umgang mit der Legalisierung der Droge verändern wird. "Cannabis wird anschließend anders wahrgenommen werden – ähnlich wie Alkohol. Außerdem bin ich der Meinung, dass die Zahl der Süchtigen damit steigen wird. Das wiederum kann dazu führen, dass die Leute ihren Antrieb verlieren und später vielleicht ihre Jobs. Eine Ausnahme bilden natürlich die Cannabis-Patienten, die aus einem medizinischen Grund konsumieren. Hier ist auch eine völlig andere Wechselwirkung gegeben", ist der MPU-Berater überzeugt. (as)

www.sedura-mpu.de

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