Female Empowerment
Nicht mehr jung. Und noch lange nicht fertig: Frauen und das Älterwerden

Die Autorinnen Ildikó von Kürthy, Silke Burmester und Christiane Rösinger geben dem weiblichen Älterwerden mehr Öffentlichkeit. Mit Witz, Widerspruch und eigenen Erfahrungen erweitern sie das Bild davon, wie Frauen in dieser Lebensphase leben können. Und ermutigen dadurch andere Frauen, ihren eigenen Weg zu gehen.

"Du siehst aber noch jung aus." Ein freundlich gemeinter Satz, der eine kleine Abwertung mitliefert. Jung aussehen gilt als Kompliment. Alt aussehen muss offenbar vermieden werden. Dabei ließe sich auch antworten: Ich bin alt, und das ist gut so.

Wie selbstverständlich darf eine Frau das sagen? Ohne anschließend ihre Fitness zu erwähnen, ihre beruflichen Erfolge aufzuzählen oder zu versichern, dass sie sich innerlich höchstens 35 fühlt. Und überhaupt: Warum müssen sich Frauen ab 35 jünger fühlen - und nebenbei auch noch ein gelassenes Altern performen?

Drei aktuelle Bücher bieten Anlass, darüber nachzudenken. Ildikó von Kürthy, Silke Burmester und Christiane Rösinger schreiben über weibliches Älterwerden, über Freiheit und Abschiede, Erwartungen und Widerspruch. Dass solche Erfahrungen ein großes Publikum interessieren, zeigt besonders Kürthys „Alt genug“: Das Buch führte laut Media Control die deutschen Hardcover-Sachbuchcharts im ersten Halbjahr 2026 an.

Ildikó von Kürthy: Alt genug für die eigenen Maßstäbe

„Ich lache nicht mehr über jeden blöden Witz“, schreibt Ildikó von Kürthy in der Vorstellung ihres Buches. Ein unscheinbarer Satz, in dem einiges steckt: die Freiheit, Zustimmung nicht länger aus Höflichkeit vorzutäuschen. In "Alt genug" geht es um Ängste und den Mut, ihnen zu begegnen, um Verluste und darum, den eigenen Wünschen mehr Gewicht zu geben. Schmerz und Lebensfreude dürfen dabei nebeneinander bestehen.

Das bietet Leserinnen einen Anknüpfungspunkt, ohne ihnen ein Ideal vorzusetzen. Man muss nicht plötzlich furchtlos sein, um sich etwas zu trauen. Und nicht jede Unsicherheit überwunden haben, um nach den eigenen Maßstäben zu leben.

Silke Burmester: Das Bild verändern

Silke Burmester richtet den Blick stärker auf die gesellschaftlichen Verhältnisse. Ihr Buch "Leuchten, jetzt! Wie lebenserfahrene Frauen ihre Welt verändern" handelt von Frauen, die Beziehungen neu gestalten, sich gegenseitig unterstützen und Erwartungen an ihr Alter widersprechen. Mit dem Onlinemagazin Palais F*luxx hat die Publizistin dafür bereits eine eigene Öffentlichkeit geschaffen.

Ihr Engagement reicht über das geschriebene Wort hinaus. Gemeinsam mit der Schauspielerin Gesine Cukrowski initiierte sie die Kampagne "Let’s Change The Picture" für eine zeitgemäße Darstellung älterer Frauen. Laut Verlag beraten die beiden dazu auch ARD Degeto und ZDF. Es geht also ganz konkret darum, welche Frauen auf dem Bildschirm vorkommen und welche Geschichten über sie erzählt werden.

Christiane Rösinger: Bloß keine neue Pflicht zur Gelassenheit

Christiane Rösinger lässt in "The Joy of Ageing" wenig Raum für eine glatt polierte Erzählung vom schönen Altern. Die Musikerin und Autorin verbindet Erinnerungen und Alltagsbeobachtungen mit Geldsorgen, gesundheitlichen Einschnitten und der Frage nach überzeugenden Vorbildern. Ihr Sarkasmus verträgt sich mit dem Ernst der Sache.

Auch darin liegt eine Entlastung: Wer älter wird, muss nicht jede Veränderung begrüßen. Aus dem Abschied vom Jugendideal sollte schließlich keine neue Verpflichtung werden, nun besonders souverän, weise und zufrieden aufzutreten. Zweifel haben weiterhin Platz. Humor ebenso.

Mehr Bilder, mehr Möglichkeiten

Gerade ihre unterschiedlichen Perspektiven macht das Trio so wertvoll. Eine Lebensphase, die je nach Gesundheit, Einkommen, Beruf und familiärer Situation sehr verschieden ausfällt, braucht viele Erzählungen. Die drei machen Angebote.

Darin liegt der Wert ihrer Arbeit: Sie erweitern das Bild. Eine Frau kann einen Neuanfang suchen oder genug von ständigen Neuanfängen haben. Sie kann Verantwortung übernehmen wollen oder beschließen, dass sie lange genug für alles zuständig war. Keine dieser Möglichkeiten sollte als erstaunliche Ausnahme gelten.

Wer vorangeht, verändert den Blick

Kürthy, Burmester und Rösinger stoßen eine Debatte an, die Erwartungen hinterfragt und anderen Frauen den Rücken stärkt. Sie tun das mit unterschiedlichen Mitteln: mit persönlichen Bekenntnissen, gesellschaftlichem Engagement und einem Humor, der vor unbequemen Wahrheiten nicht haltmacht.

Sie sind etablierte Stimmen, die das weibliche Älterwerden öffentlich zum Thema machen. Sie erzählen von Erfahrungen, in denen sich andere wiederfinden können. Und sie widersprechen der Vorstellung, dass mit zunehmendem Alter zwangsläufig weniger Möglichkeiten verbunden sein müssten. Vorbilder, die ermutigen, ohne eine Richtung vorzuschreiben.

Von der Debatte zur Buchmesse

Welche Themen Bücher sichtbar machen und welche Zielgruppen die Branche stärker in den Blick nimmt, zeigt sich auch auf der Frankfurter Buchmesse, die am Mittwoch startet. Im LEADERSNET-Interview spricht Christian Ebert, Geschäftsleitung Marketing und Vertrieb der Frankfurter Buchmesse, unter anderem über die wachsende Bedeutung junger Leserinnen, Bookfluencer und neue Wege im Buchmarketing.

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