Intrigen im Job
Wenn die Karriere zur Zielscheibe wird: Social Undermining am Arbeitsplatz

| Redaktion 
| 26.05.2024

In vielen Büros lauert eine unsichtbare Gefahr: Der scheinbar nette Kollege lästert hinterrücks über die eigene Leistung, die freundliche Sitznachbarin kassiert Lob für fremde Arbeit. Social Undermining nennt sich das Phänomen.

Es beschreibt Aktionen von Kollegen oder Vorgesetzten, die darauf abzielen, die Reputation, den Status oder die Leistung einer Person am Arbeitsplatz zu schwächen. Gerüchte, negative Kommentare oder direkte Sabotageaktionen sollen das berufliche Fortkommen der Betroffenen verhindern. Warum kommt es dazu?

Oft bleibt Social Undermining unbemerkt, obwohl es häufiger vorkommt, als viele denken. Die Gründe dafür sind vielfältig: Eifersucht, Neid auf Erfolge oder Anerkennung, Konkurrenzdruck um Ressourcen oder Beförderungen. Auch persönliche Abneigungen oder Missverständnisse können solches Verhalten auslösen. Es ist zudem ein Warnsignal für schlechte Führung und toxische Unternehmenskulturen.

Die Folgen können gravierend sein. Es beeinträchtigt nicht nur die Arbeitsleistung, sondern auch das emotionale Wohlbefinden der Betroffenen. Starker Stress, Unsicherheit oder Burnout können die Folge sein. Langfristig sinken die Aufstiegschancen im Unternehmen, nicht selten führt es zur Kündigung.

Strategien gegen Social Undermining

Wie sollte man reagieren, wenn man merkt, dass man Ziel von Social Undermining wird?

  1. Anzeichen erkennen: Achten Sie auf subtile Verhaltensweisen und Signale. Gespräche mit vertrauenswürdigen Kollegen oder der Familie können helfen, die Anzeichen richtig zu deuten.
  2. Vorfälle dokumentieren: Halten Sie alle relevanten Kommentare und Situationen fest. Diese Dokumentation stärkt Ihre Position bei späteren Konfrontationen.
  3. Das Gespräch suchen: Ein offenes Gespräch mit der betreffenden Person kann helfen, Missverständnisse aufzuklären und das Problem aus der Welt zu schaffen.
  4. Klare Grenzen setzen: Machen Sie deutlich, dass Sie herabsetzendes Verhalten nicht akzeptieren.
  5. Unterstützung holen: Wenn Gespräche nichts nützen, sollten Sie Vorgesetzte oder die Personalabteilung einschalten.

Die Sache beginnt oft harmlos, etwa mit dem Zurückhalten wichtiger Informationen, und kann bis zur gezielten Sabotage einer Karriere reichen. Arbeitspsychologe Hannes Zacher von der Universität Leipzig erklärt in einem Beitrag des Redaktions Netzwerk Deutschland: „Social Undermining ist ein emotionsgetriebenes Verhalten.“ Es zielt darauf ab, andere daran zu hindern, ihre Arbeitsaufgaben ordentlich zu erledigen.

Wettbewerb als Nährboden

Besonders in Unternehmen mit starkem internem Wettbewerb, gefördert durch Bonus- und Rankingsysteme, tritt Social Undermining häufig auf. „Bei Kolleginnen und Kollegen geht es oft um Anerkennung oder Boni, bei Vorgesetzten um die Angst, ihre Machtposition zu verlieren“, so Zacher.

Social Undermining ist oft schwer zu erkennen, da es meist subtil und mehrdeutig geschieht. „Man fragt sich: War das ein Versehen, dass ich nicht zum Meeting eingeladen wurde?“ Diese Selbstzweifel können das Selbstvertrauen schädigen.

Und wenn nichts mehr hilft?

Falls sich trotz aller Bemühungen nichts ändert, empfiehlt Zacher, eine berufliche Alternative in Erwägung zu ziehen. „Manchmal genügt schon die Ankündigung eines Jobwechsels, um eine Veränderung herbeizuführen.“

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