Mit 55 blickt Mark Wahlberg auf eine bewegte Karriere zurück: Nachdem er in jungen Jahren als Calvin-Klein-Model und Rapper unter dem Alias Marky Mark zu Ruhm kam, gelang ihm in den späten Neunzigern der Sprung auf die große Leinwand.
Zwischen "Boogie Nights", "Shooter" oder "Pain & Gain" war dabei häufig von Bedeutung, dass Wahlberg in überdurchschnittlicher körperlicher Verfassung vor die Kameras trat – schon vor Jahren sorgte er passend dazu mit seinem beeindruckenden Home Gym und einer eisernen Morgenroutine für Aufsehen.
Während er in puncto Training früher darauf bedacht war, gut auszusehen, gehe es ihm in seinem aktuellen Lebensabschnitt vielmehr darum, sich "einfach gut zu fühlen, wenn ich morgens aufwache", gab Mark Wahlberg vergangenen Donnerstag beim TechCrunch Disrupt in San Francisco zu; einem Event des Branchenmagazins TechCrunch. "Ich möchte all das schaffen, was ich mir für den Tag vorgenommen habe."
Vom Model zur Gesundheitsmarke
Eine Möglichkeit, die Wahlberg mehr Menschen bieten will. Gleichzeitig sind die aktuellen Pläne des Schauspieler selbstredend nicht allein von Fürsorge motiviert: Mit der nahenden Eröffnung des ersten Fitnessstudios unter dem Dach von Municipal realisiert er eine lange gehegte Vision, da seine als Kleidungsanbieter gestartete Marke von vornherein als Ausgangspunkt einer ganzheitlicheren Strategie gedacht war.
Entsprechend beschreibt der Begriff "Fitnessstudio" nur unzureichend, was derzeit in Summerlin (nahe Las Vegas, Nevada), entsteht: Mit dem Municipal Gym will Wahlberg nicht einfach eine weitere Halle mit Hantelbänken und Laufbändern, sondern ein auf Longevity ausgerichtetes Gesamtprogramm bereitstellen, das obendrauf Blutanalysen, epigenetische Tests, Kältebäder, Kompressionstherapie und andere Regenerationsmöglichkeiten offeriert.
TechCrunch stellt heraus, dass dieses Feld bislang vor allem eine zahlungskräftige Kundschaft anspricht – in den USA aktive Vertreter wie Fountain Life, The Estate oder Equinox fordern mitunter fünfstellige Jahresbeiträge von ihren Mitgliedern.
Langlebigkeit soll erschwinglich werden
Konditionen, die Wahlberg mit seinem Municipal Gym deutlich unterbieten will: "Wir haben ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis als unsere Mitbewerber und werden weitaus bessere Ergebnisse erzielen", gibt er selbstbewusst zu Protokoll.
So sollen Gründungsmitglieder für 99 Dollar Monatsgebühr auch drei Blutuntersuchungen und eine Stunde mit einem Arzt bekommen, der mit ihnen feststellt, für welche Erkrankungen sie anfällig sein könnten.
Der Weg zu Nahrungsergänzungsmitteln und Hormontherapien sei von hier aus ebenfalls kurz – im Supplement-Bereich auch für von Wahlberg selbst vertriebene Produkte, die mit dem Gym eine neue Verkaufsfläche bekommen. Der Oscar-Nominierte (für "The Departed") erklärt, dass ihm nicht weniger als ein ganzes "Gesundheits- und Wellness-Ökosystem" vorschwebt, in dem "alles von A bis Z vorhanden ist".
Anders als bei seinem glücklosen Investment in den Fitnessanbieter F45, dessen Konzept auf kurze Kurse setzte, sollen sich Mitglieder idealerweise über viele Stunden am Stück im Municipal Gym aufhalten.
"Es ist ein Ort, an dem man arbeitet, aber auch Spaß hat, sich gegenseitig unterstützt, Gemeinschaft schafft und die Menschen wirklich dazu herausfordert, eine bessere Version ihrer selbst zu werden", stellt Wahlberg in Aussicht. Die Philosophie von Studios, auf weitgehend abwesende, aber trotzdem tapfer zahlende Kunden zu hoffen, könne er nicht verstehen.
Wegweisende Wirkung für Deutschland?
Der "Transformers"-Star berichtet TechCrunch auch von seiner Ungeduld, was die voranschreitenden Arbeiten nahe Las Vegas betrifft. Planmäßig soll der facettenreiche Fitnesspalast auf knapp 3000 Quadratmetern im Dezember ersten Kunden zu einem gesünderen Leben verhelfen – zumindest hierzulande erweisen sich Gym-Eröffnungen jedoch auffällig oft als verschiebungsanfällig.
Apropos Deutschland: Obwohl Mark Wahlberg in puncto Municipal Gym offen von einer "aggressiven" Expansionsstrategie spricht, dürfte sich diese zunächst auf den nordamerikanischen Raum beziehen. In der Bundesrepublik gibt es zwar Angebote, die Fitness, medizinische Diagnostik und Regeneration miteinander verbinden; eine vergleichbar breit angelegte und zugleich ausdrücklich auf Erschwinglichkeit bedachte Kette ist bislang allerdings nicht am Markt.
Falls sich Wahlbergs Konzept in den USA bewährt, könnte es also auch in unseren Gefilden Bewegung in ein Segment bringen, das bislang vor allem zwischen günstigen Fitnessketten und hochpreisiger Präventivmedizin aufgeteilt ist.
Die Idee, Blutanalysen, Regeneration und personalisierte Gesundheitsberatung direkt in ein vertrautes Gym zu integrieren, hat theoretisch durchaus Potenzial, Longevity aus der Nische wohlhabender Selbstoptimierer herauszuführen – in der Praxis bleibt zunächst einmal abzuwarten, ob sich der versprochene Preisvorteil tatsächlich mit belastbaren Ergebnissen und einem tragfähigen Geschäftsmodell verbinden lässt.
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