"KI-Vater" sagt: ChatGPT hat Abiturniveau

Sebastian Thrun: "2023 ist das Jahr der Zeitenwende in der Künstlichen Intelligenz."

"ChatGPT bringt es ungefähr auf die gleichen intellektuellen Leistungen wie ein durchschnittlicher Abiturient in Deutschland. Diese Einschätzung vertritt Sebastian Thrun, der als einer der geistigen Väter Künstlicher Intelligenz (KI) gilt, nach umfangreichen Testläufen mit dem KI-System von OpenAI. "ChatGPT kann in allen Schulfächern mithalten, bis auf den Schulsport", sagt Thrun schmunzelnd.

In diesem Frühjahr erscheint seine von ihm autorisierte Biografie "Sebastian Thrun – Eine deutsche Karriere im Silicon Valley" (ISBN 978-3-98674-062-7, im Verlag der UNO-Denkfabrik Diplomatic Council), in der seine Einschätzung über den heutigen Stand und die künftige Entwicklung von KI veröffentlicht wird.

Gleich gut oder besser wie ein Mensch

Das Buch erscheint punktgenau im "Jahr der Zeitenwende in der Künstlichen Intelligenz", wie Sebastian Thrun 2023 einstuft. Er erklärt: "2023 hat den Umbruch zur Artificial General Intelligence, kurz AGI, mit sich gebracht. Das stellt einen Quantensprung von dem bislang nur auf Spezialgebiete fokussierten KI-Einsatz dar." Thrun gibt ein Beispiel: "Bisher konnte die eine KI besser Schach spielen als ein menschlicher Spieler, und eine andere konnte Röntgenbilder besser als ein Mediziner auf Anzeichen von Lungenkrebs untersuchen. Die neue Generation der Künstlichen Allgemeinen Intelligenz, kurz KAI, ist hingegen derart universell, dass sie bis zu einem gewissen Grad alle intellektuellen Aufgaben so gut wie ein Mensch bewältigen kann, häufig sogar besser."

"KI-Vater" Thrun bescheinigt ChatGPT und anderen KAI-Modellen: "Sie können auf dem Niveau eines Gymnasiasten Physik analysieren, kreativ schreiben, mathematische Aufgaben lösen, Zusammenfassungen erstellen und Kunstwerke erzeugen, um nur einige Beispiele zu nennen. Und das im Jahr 2023. Man muss blind sein, um nicht zu erkennen, wohin das noch vor 2030 führen wird – und erst recht danach." Einen fundierten Ausblick auf diese Entwicklung gibt er in seiner demnächst erhältlichen autorisierten Biografie.

So intelligent wie der Durchschnitts-Amerikaner

In einem Auszug aus dem Buch skizziert Sebastian Thrun die Auswirkungen der KAI auf die Gesellschaft: "Wenn man bedenkt, dass der überwiegende Teil der Bevölkerung in den USA nur über einen Highschool-Abschluss verfügt, dann bedeutet dies, dass die KI mit dem Großteil der Menschen in diesem Land beim Denken mithalten kann." Mit anderen Worten: Die KI-Systeme sind mit Stand 2023 ungefähr so intelligent wie der Durchschnitts-Amerikaner.

Ein Blick nach Deutschland: 36 Prozent aller Deutschen haben Abitur, 24 Prozent einen Realschulabschluss, 25 Prozent haben die Hauptschule absolviert und acht Prozent können gar keinen schulischen Abschluss vorweisen. Etwa ein Drittel der hiesigen Bevölkerung besitzt einen Hochschulabschluss. Das bedeutet: Die Künstliche Allgemeine Intelligenz kann es beim Denken mit mindestens etwa zwei Dritteln der deutschen Bevölkerung aufnehmen. Und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis sie das restliche Drittel auch noch schafft.

Sebastian Thrun: "Der Maßstab für KI-Systeme ist nicht, ob sie perfekt sind, sondern es genügt, wenn sie im Durchschnitt weit besser als Menschen funktionieren." Dem KI-Pionier ist indes wichtig klarzustellen, dass Menschsein weit mehr ist als logisches Denken bedeutet.

Mensch ist mehr als Logik

In Wahrheit ist ein Mensch soviel mehr als Logik, genauer gesagt, macht Logik nur einen sehr kleinen Teil des Menschseins aus. Das schon in der Antike bekannte Postulat des "Modus ponens", nach dem sich aus zwei Aussagen eine einzig mögliche Schlussfolgerung herleiten lässt, und das den Ausgangspunkt der Entwicklung Künstlicher Intelligenz darstellte, ist nach Thruns fester Überzeugung auf das Menschsein kaum anwendbar, geschweige denn dominierend im menschlichen Denken und Fühlen. "Das menschliche Gehirn hat fast nichts mit Logik zu tun", gibt er zu bedenken, "der Großteil des menschlichen Gehirns funktioniert unbewusst, also außerhalb jedweder Logik."

Dazu nur ein Beispiel: Wenn eine KI weiß, dass Wasser nass ist, dann kann sie aus der Aussage, dass eine Person im Meer schwimmt und das Meer aus Wasser besteht, schlussfolgern, dass die betreffende Person nass wird. Aber die Maschine weiß dadurch nichts darüber, wie sich diese Person im Wasser fühlt, ob sie es genießt zu schwimmen, oder kurz davor steht, unterzugehen.

www.diplomatic-council.org

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