KI verändert die Arbeitswelt
Fachkräftemangel: Neuer Report hinterfragt Personalsuche

| Redaktion 
| 21.10.2026

Der Fachkräftemangel bleibt für viele Unternehmen eine Herausforderung. Doch müssen Bewerber wirklich jede Anforderung erfüllen, bevor sie eingestellt werden? Ein neuer internationaler Report stellt die klassische Personalsuche infrage und zeigt, wie gezielte Weiterbildung zusätzliche Fachkräftepotenziale erschließen kann. Besonders der Einsatz künstlicher Intelligenz verändert die benötigten Kompetenzen. Für Arbeitgeber rückt damit eine Frage in den Vordergrund: Wen können sie qualifizieren, statt weiter nach dem perfekten Profil zu suchen?

Eine offene Stelle, zahlreiche Anforderungen und möglichst ein Bewerber, der vom ersten Tag an alles mitbringt: Dieses Prinzip stößt bei der Suche nach Fachkräften zunehmend an Grenzen. Gleichzeitig verändern künstliche Intelligenz und neue Technologien die Qualifikationen, die Unternehmen benötigen.

Der aktuelle Sustainability Report 2025–2026 der ManpowerGroup greift dieses Spannungsfeld auf. Der Personaldienstleister plädiert dafür, vorhandene Fähigkeiten stärker zu berücksichtigen und fehlende Kenntnisse gezielt durch Weiterbildung aufzubauen.

Warum starre Anforderungsprofile zum Problem werden

Ein Beispiel aus Großbritannien zeigt, wie sich die Personalsuche verändern lässt. Das Technologie- und Verteidigungsunternehmen Babcock International fand für spezialisierte technische Aufgaben nicht genügend erfahrene Fachkräfte. Statt ausschließlich nach Bewerbern mit passender Berufserfahrung zu suchen, wurden auch Menschen aus verwandten Tätigkeitsfeldern und ehemalige Angehörige der Streitkräfte berücksichtigt.

Gezielte Schulungen sollten die fehlenden Kenntnisse vermitteln. Der Ansatz dahinter: Nicht jede benötigte Qualifikation muss bereits bei der Einstellung vorhanden sein.

Ähnliche Programme gibt es in Italien und Griechenland. Dort werden Teilnehmer gezielt für Tätigkeiten mit SAP-Anwendungen geschult, um anschließend in entsprechende Stellen vermittelt zu werden. Insgesamt nahmen 2025 mehr als 6.000 Menschen in zwölf europäischen Ländern an solchen Qualifizierungsprogrammen der Experis Academy teil.

Die Beispiele verdeutlichen, wie sich zusätzliche Bewerbergruppen ansprechen lassen. Ob dadurch dauerhaft mehr offene Stellen besetzt werden, lässt sich aus den Angaben des Reports allerdings nicht ableiten.

KI verschärft die Frage nach den richtigen Kompetenzen

Durch künstliche Intelligenz verändern sich nicht nur einzelne Tätigkeiten, sondern auch die Anforderungen an Beschäftigte. Unternehmen müssen deshalb abschätzen, welche Fähigkeiten künftig gebraucht werden und welche sich innerhalb der bestehenden Belegschaft entwickeln lassen.

Dass Weiterbildung dabei nicht selbstverständlich ist, zeigt eine TÜV-Studie zum KI-Einsatz am Arbeitsplatz. Demnach haben lediglich 38 Prozent der befragten KI-Nutzer eine gezielte Weiterbildung absolviert.

Faris Bećirović, Deutschlandchef der ManpowerGroup, sieht deshalb die bisherige Rekrutierungspraxis kritisch. "Deutschland wird den Fachkräftemangel nicht allein dadurch lösen können, dass Unternehmen immer länger nach bereits perfekt qualifizierten Talenten suchen“, erklärt er.

Was Unternehmen bei der Personalsuche ändern können

Aus den Praxisbeispielen ergeben sich drei Ansätze:

  • Fähigkeiten statt Abschlüsse prüfen: Auch Bewerber aus anderen Berufsfeldern können für offene Stellen infrage kommen.

  • Weiterbildung mit Stellenbedarf verbinden: Schulungen sollten Kompetenzen vermitteln, die für konkrete Aufgaben benötigt werden.

  • Personalbedarf frühzeitig planen: Wer absehbare Veränderungen durch KI berücksichtigt, kann Beschäftigte vorbereiten, bevor Qualifikationen fehlen.

Für Unternehmen bedeutet das nicht, auf fachliche Anforderungen zu verzichten. Entscheidend ist vielmehr die Unterscheidung zwischen Fähigkeiten, die Bewerber bereits mitbringen müssen, und Kenntnissen, die sich in überschaubarer Zeit erwerben lassen.

Der Report liefert dafür internationale Praxisbeispiele, aber keine repräsentative Untersuchung des deutschen Arbeitsmarkts. Wie groß das Potenzial solcher Maßnahmen hierzulande tatsächlich ist, bleibt damit offen.

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